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Diese scheinbare Unempfindlichkeit der Gezüchtigten mochte zuletzt die geißelnde Nonne ärgern und sie zu der Meinung bringen, als habe sie nicht genug Kraft aufgewendet, denn sie schwang bei den letzten Streichen die Geißel höher und ließ sie mit vermehrter Ge­walt auf Josepha's Rücken niederfallen, vermochte damit ihr aber dennoch keinen lauten Schmerzensruf zu entlocken, die Willenskraft siegte.

Endlich war der zwölfte Streich gefallen, die Geißlerin trat zurück und legte das gebrauchte Marterinstrument auf die Tafel zu den übrigen zurück.

Iosepha aber sank halb ohnmächtig mit dem Gesichte auf die Erde, in ihrem Herzen wühlten Schmerz, Zorn und Scham. Bar­bara schaute voll Mitleid auf sie herab, wagte aber nicht, ihrem Ge­fühle Worte zu geben oder helfend neben die Gezüchtigte zu treten, aus Furcht, daß ihr dann ein ähnliches Schicksal widerfahren könne.

Aber da winkte schon die Priorin. Iosepha wurde empor ge­zogen und stand jetzt vor der strengen Richterin, welche ihr nochmals eine Ermahnung hielt, in Zukunft ihre Gedanken nicht auf die Welt und deren sündliche Freuden zu richten, sondern auf den Himmel, auf die heilige Jungfrau und ihre Heiligen, zu deren Dienst sie sich durch das Gelübde gewidmet habe; sie mahnte Iosepha ferner, nicht zu glauben, daß durch die empfangene Züchtigung ihr Vergehen voll­ständig schon gesühnt sei, dasselbe könne nur durch eifriges Gebet und durch fortgesetztes Easteien geschehen, und Letzteres werde dann ein mächtiges Mittel sein, die weltlichen Gedanken ganz aus ihrer Seele zu treiben und ihren Sinn allein dem Himmel zuzuwenden.

Bedächtig fügte sie dann hinzu:

Zu verhindern, daß der böse Feind Deinen Geist nicht wieder mit seinen Netzen umstrickt und den Körper zur Unzeit mit Schlaf umfängt, sollst Du auf drei Tage den Strafgürtel tragen."

Sie selbst trat an die Tafel, nahm einen Gürtel, der an der inneren Seite mit kurzen, scharfen Nägeln und mit spitzen Nadeln vermischt besetzt war und reichte denselben ein Paar Nonnen, mit dem Befehle, ihn der Schwester Iosepha anzuschnallen.

Es geschah dieses sofort, der Gürtel ward Iosepha der Art um den bloßen Leib gelegt, daß die Spitzen von allen Seiten die Haut berührten und, wenn von der einen Seite ein Druck gegen den Gürtel ausgeübt wurde, dann in das Fleisch eindringen mußten.