107

Mit geübten Kennerblicken musterte Ignatius die nächsten Papiere, dann aber befahl er Wozeck, Wache zu halten, damit Niemand ihn überrasche, und der Haushofmeister begab sich sofort in das Vorzimmer.

Ignatius setzte nun mit aller Ruhe die Durchmusterung der ver­schiedenen Papiere fort, die in den einzelnen Fächern des Schreib- tifches lagen, dabei vermeidend, irgend eine Unordnung zu veranlassen, die dem Besitzer des Tisches hätte zu dem Glauben bringen können, daß fremde Hände hier gewirthschaftet.

Allein das, was der Jesuit suchte, schien sich nicht vorzusinden und er murmelte:

Hier müssen geheime Fächer sein!"

Aufmerksamen Auges durchsuchte nun Ignatius Alles und machte hier und da Versuche, jetzt ein rascher Druck und ein geheimer Be­hälter öffnete sich.

Gefunden!" entschlüpfte es Ignatius in freudiger Aufregung.

In dem geöffneten Fache lagen einige Papiere, nach denen Ignatius gierig griff und sie dann hastig durchsah. Sein Gesicht nahm dabei einen sehr zufriedenen Ausdruck an, er nickte mehrere Male mit dem Kopfe und murmelte:

Von der Emigration in Paris. Gut. Von Mieroslawsky unterzeichnet. Verschwörung in Vollhynien. Gut."

Hastig steckte Ignatius dann eines der Papiere zu sich. Die übrigen Schriftstücke legte er in ihrer frühern Ordnung an ihren alten Platz und schloß das Fach sorgfältig wieder.

Als er sich erhob, zeigte wohl nichts davon, daß unberufene Hände hier ihr Wesen getrieben.

Nun weiß ich genug, Herr Graf!" murmelte er.

Dann rief er Wozeck zurück und geräuschlos begaben sich Beide wieder in die Wohnung des Haushofmeisters.

Niemand hatte sie auf ihrem Gange bemerkt.

Nach einer halben Stunde verließ Ignatius mit dem Haushof­meister das Schloß und begab sich nach dem Kruge, wo er sein Pferd eingestellt hatte.