143
mit eisernen Fesseln an dieses unselige Haus zu ketten. Kann man mit solchen Ahnungen im Herzen sich der Hoffnung hingeben?"
„Verbanne diese Ahnungen, Geliebte," bat Constantin, „sie ziehen gleich dunklen Schatten über das Herz und machen das Schwere noch schwerer."
„Sie lassen mir mein Loos sogar unerträglich erscheinen," fügte Barbara hinzu. „Aber sage mir, Geliebter, ist Dein Herz denn von solchen Ahnungen gänzlich frei?"
„Ja," erwiderte der Jüngling, „mein Herz ist frei davon, denn es hat keinen Raum mehr für Ahnungen schlimmer Art, es ist von Dir und von der Hoffnung so erfüllt, daß nichts Anderes mehr Platz hat."
Constantin suchte Barbara mit muthiger Hoffnung zu erfüllen und es gelang ihm auch dieses bald. Das Paar besprach nun die Mittel, durch welche es in Verbindung bleiben könnte, die Wege, aus denen es neue Zusammenkünfte herbeiführen könnte, und es kam überein, daß eine bestimmte Stelle des Gartens benutzt werden solle, um dort Briefe niederzulegen, in denen sich Barbara und Constantin gegenseitig Alles -mittheilen wollten, was sie betras.
In diesem Gespräche vergaßen Beide die Zeit gänzlich, so daß sie nicht bemerkten, wie die Dämmerung einbrach und es später und später wurde.
Von dem Thurme des Klosters klang die Glocke und Barbara fuhr bestürzt auf.
„Heilige Mutter Gottes," rief sie, „es läutet zur Hora. „Wenn man mich vermißte, wie würde mir es da ergehen? Wie würden die Weiber dort wüthen. — Lebe wohl, Constantin!"
Sie reichte Constantin rasch die Hand.
Constantin ergriff die Hand der Nonne, er zog sie an sein Herz, er umschlang die Gestalt und preßte sie kräftigen Armes an sich; ein Kuß brannte auf der Nonne Munde.
„Um der Heiligen willen, wenn wir belauscht würden!" stöhnte Barbara.
Sie rang sich aus des jungen Mannes Armen los.
„Lebe wohl," flüsterte sie noch zurück.
Dann floh sie davon.
„Auf Wiedersehen!" klang es ihr nach.

