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„Eitle Weltlust," sprach jetzt die Priorin mit strengem, verweisendem Tone und fügte dann hinzu: „Was kümmern Dich jene Blumen, die beute entstehen und morgen vergehen? Sie erregen im Herzen nur weltliche Lust, welche von der Betrachtung des Höheren abzieht. — Wende Dich lieber zu den himmlischen Bluinen, die Dich umblühen und die nie vergehen, und diese pflege in Deinem Herzen. Sei Gärtnerin der Blumen des Himmels, auf daß sie Dir einst als Kranz die Stirne umschlingen und Du durch sie magst selig werden. Solche Blumen zu pflegen ist allein der Himmelsbraut würdig."
„Sind denn die Blumen nicht auch Gottes Geschöpfe und begeht man denn ein so großes Verbrechen, wenn man dieselben pflegt und sich an ihnen erfreut?" wagte Barbara zu sagen.
Ein zorniger Blick der Oberin traf die Nonne.
„Blumen," sagte sie dann, „sind auch oft Werke des Teufels, und von ihm bestimmt, durch Farbe und Duft der Menschen Herz zu berücken und von der Betrachtung des Höheren abzuziehen. Oft legt der Teufel auch Dust in den Kelch der Blumen, welcher dann das Herz vergiftet, die Sinne berauscht und den Tod oder doch leibliches und geistliches Verderben bringt. Ausrotten werde ich diese Blumen, auf daß sie nicht auch hier Unheil stiften. Hüte Dich vor diesen Blumen, nicht deshalb bist Du in die heilige Gemeinschaft frommer Schwestern unseres Ordens getreten, um die Gärtnerin zu machen, Dein Ziel muß allein sein, nach dem Himmel zu streben."
Barbara konnte der blumenfeindlichen Priorin nicht beistinnnen, sie dachte ganz anders, wagte aber natürlich nicht, etwas dagegen zu sagen, da sie voraus wußte, daß eine Erwiderung Seitens der Oberin nur eine neue, noch heftigere Zurechtweisung ihr zuziehen würde. Deshalb schwieg sie und die Priorin fuhr fort, sich noch weiter über die Verderblichkeit der Blumen auszusprechen und ihre Schäflein davor zu warnen.
Die Priorin schloß endlich:
„Schwester Barbara, immer wieder muß ich die Entdeckung machen, daß Dein thörigtes Herz noch viel zu sehr an der Eitelkeit der Welt hängt und sich nur zu gern deren Lust hingiebt; also warne ich Dich ein für alle Mal: hüte Dich, auf daß Du nicht in gefährliche Stricke fallest."
Barbara erröthete und neigte ihr Haupt.
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