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„Bedenke stets, Schwester," sprach die Oberin weiter, „daß hinter Blumen die Schlange lauert, deren Giftbauch das Herz berückt, und diese Schlange ist der Teufel selbst, der stets die verschiedensten Gestalten annimmt, um sein Ziel zu erreichen, Böses zu ernten. Hast Du mich verstanden?"
„Ja," entgegnete Barbara mit tief geneigtem Haupte.
„Gut, das ist zu Deinem Heile," entgegnete die Oberin, „und damit Du Dir diese Worte desto besser einprägst, wirst Du Dir morgen sechs Geißelhiebe geben, und damit Du vollkommen Zeit hast, über Dein Vergehen und über mein Gesagtes nachzudenken, so wirst Du acht Tage Deine Zelle nur verlassen, um in die Kirche und hierher zu gehen, und während dieser Zeit noch täglich eine Stunde Vormittags und eine Stunde Nachmittags vor dem Altäre knieem beten und Bußpsalmen singen, um die heilige Therese, unsere erhabene Schutzpatronin, zu bewegen, für Dich eine Fürbitte einzulegen bei der heiligen Jungfrau, auf daß sie wegen Deinem heutigen Vergehen nicht so strenges Gericht halte, wie Du wohl verdienst."
Wieder neigte sich Barbara vor der Oberin, aber in ihren: Herzen konnte sie doch nicht glauben, daß sie heute ein solches Verbrechen begangen habe, um zu dessen Sühnung die Fürbitte der Mutter Gottes und der Heiligen zu bedürfen. — Was sie gethan, war ja nur aus Liebe geschehen, und konnte dieses denn ein so schweres Verbrechen sein?
Aber dieses Alles war noch nicht genug, denn die Oberin fuhr fort:
„Damit Du, Barbara, nicht wieder in Versuchung gebracht wirst, über weltlichen Gelüsten geistliche Pflichten zu vernachlässigen, so sollst Du vier Wochen nicht mehr den Garten betreten."
Barbara schrak leicht zusammen, diese letzten Worte der Oberin machten sie bestürzter, als alle die Bußen, welche ihr vorher aufgelegt worden waren, denn sie zerstörten in ihr die Hoffnung, daß sie bald wieder mit Konstantin zusammentreffen, mit ihm sprechen und aus seinen Worten Hoffnung und Trost schöpfen könnte.
Vier Wochen sollte sie den Garten nicht betreten? Die Erfüllung tiefer Buße dünkte ihr in den ersten Augenblicken gänzlich unmöglich, denn der Garten war ja der Ort, an welchem sie mit Constantin zusammentreffen sollte, wo sie ihn sehen, sprechen, aus seinen Worten, Blicken und Verheißungen sich Trost und Muth holen konnte in ihrer

