Zwölftes Kapitel.

Die Zeit der Kämpfe.

Niedergeschlagen und zürnend mit ihrem Schicksale schlich sich Barbara in ihre Zelle zurück. Sie fühlte sich unglücklicher als je­mals, da man ihr verwehren wollte, den Geliebten zu sehen, der ihr jetzt wieder mehr als die ganze Welt war, seit sie ihm wieder be­gegnet, seit sie sich durch seinen Anblick schon von seiner unwandel­baren Treue überzeugt, mit der er ihr noch immer anhing, nachdem sie ihn schon für sich verloren halten mußte. Wenn Constantin nicht so treu gesinnt war, würde er sie sonst wohl in dem Kloster aufge­sucht haben? Hätte er es gewagt, sich den Gefahren auszusetzen, die ihm drohten, wenn seine Maske, unter welcher er in den Kloster­garten gedrungen, durchschaut wurde? Diese Gefahren waren für ihn nicht klein, denn die Nonnen erfreuten sich gar manches Ein­flusses bei den Behörden, die dann dienstbereit sich zeigten, unter

allerhand Vorwänden unliebsame oder unbequeme Persönlichkeiten, wenn dieselben nicht selbst zu hohen Ranges waren, zu beseitigen

oder doch sonst unschädlich zu machen. Hatte doch das Kloster selbst

Mittel, in den Räumen, .wohin kein Unberufener dringen konnte, wollte er sich nicht allen möglichen Gefahren aussetzen, eigene Justiz zu üben, ohne daß die Außenwelt es ahnte, und Personen verschwin­den zu lassen. Waren die Bewohner des Klosters auch nur Frauen, so zweifelte Niemand daran, daß diese auch sehr gefährlich werden könnten, ja, daß sie wohl oft schon gefährlicher geworden waren, als Männer.

Wenn Barbara an alle die Klostergeschichten dachte, die ihr einst in den früheren Jahren erzählt worden, oder die sie gelesen, da bebte sie für die Sicherheit des Geliebten, der so verwegen sich hierher ge­wagt. Sie war jetzt selbst Bewohnerin eines Klosters geworden und