Kirmnddreißigstes Kapitel.

Das Ende einer Nonne.

Im Kloster der Karmeliterinnen ging das einförmige Leben seinen gewohnten Gang fort. Die Nonnen sangen mechanisch ihre Hora und verrichteten den ihr zur Gewohnheit gewordenen Kirchendienst in gleicher Weise, der nur dann einige Abwechselung erfuhr, wenn an einem Festtage, deren man bei den zahlreichen Heiligen der katholi­schen Kirche im Kloster genug zu feiern hatte, eine größere Prozession angeordnet wurde. War diese vorüber, dann hatten diejenigen Non­nen, welche zu irgend einer Arbeit Lust hatten oder durch die Noth- wendigkeit dazu gezwungen wurden, wohl irgend eine Beschäftigung vorgenommen, während die anderen, die ihre Zeit nicht nützlicher hin­zubringen wußten, entweder die Hände im Schooße falteten und in der Regel an nichts weniger dachten als an Gebet, oder in kleinem Kreise diese oder jene Nonne, die eben nicht zugegen war, durchhechel­ten, oder einander die ihnen zu Ohren gedrungenen Stadtneuigkeiten erzählten. Nicht selten kam es da vor, daß Unterhaltungen geführt wurden, die nirgends weniger hin gehörten als an eine Stätte, die nur der Gottesverehrung oder frommen Werken und Betrachtungen gewidmet fein sollte, und die halblaut geträllerten Liedchen und Bers­chen standen jedenfalls in keinem Brevier.

So war das Klosterleben wirklich ermüdend einförmig und auch geisttödtend. Was diese langweilige Einförmigkeit noch vermehrte, war, daß sich der Winter mit seinen düsteren, kurzen Tagen und lan­gen Nächten eingestellt hatte, wodurch denjenigen Nonnen, welche gern unter den grünen Bäumen des Klostergartens lustwandelten, auch diese Erholung verwehrt wurde; sie zogen sich daher seufzend in ihre Zellen zurück, denn selbst der Aufenthalt im Klosterhofe, in der Kirche oder in den Gängen des Klosters war ein schauriger, da der Wind