403

dem Himmel! ich komme, ich komme! Stanislaus

mein Kind!"

Iosepha!" rief Barbara.

Lebe wohl." fuhr Iosepha im vorigen Tone fort. Stanislaus mein Kind. O ich sehe die Engel. Ich"

Sie endete nicht, ihr Haupt sank in das Kissen zurück und nur noch leise hob sich die Brust.

So dauerte es noch einige Minuten, während denen die Glocke noch fortklang.

Dann drang ein anderer Ton von der Kirche her in die Zelle; es war der Gesang der Nonnen, schaurig fast klingend in der Mitter­nachtstunde, klagend und schwermüthig.

Abermals öffnete Iosepha die Augen mühsam.

Sta ms laus," flüsterten die bleichen Lippen.Mein

Kind!"

Ein kurz abgebrochener, leiser Seufzer schloß diese Worte. Dann stockte Plötzlich der Athem, die Augen waren völlig glanzlos geworden, das ganze Gesicht hatte sich verändert.

Mit dem letzten Glockentone war auch Iosepha's Seele der irdischen Hülle entflohen und mit tiefer Rührung beugte sich Barbara über die entschlafene Freundin und flüsterte:

Glückliche, Du bist frei!"

Dann floh sie aus der Zelle, um die Priorin von dem Ableben Iosepha's zu unterrichten.

Nachdem die schnell versammelten Nonnen die Stcrbegebete für die Schwester Iosepha gesprochen und deren entflohene Seele Gott empfohlen, zog sich Barbara in ihre Zelle zurück und dachte über das nach, was der Sterbenden Mund ihr verkündet und was jetzt ihre Brust mit banger Befürchtung und mit steigendem Wider­willen gegen das Kloster füllte.

Fliehen soll ich!" sagte sie zu sich selbst.O, wahrhaftig, es wird Zeit dazu, ich muß die Flucht versuchen. Aber wie? wohin? O, daß Constantin käme!"

26 *