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so möge man sie im Kloster lassen und sie hier überwachen. Der Canonicus schien geneigt, dieses Verlangen zu unterstützen, doch ohne allen Erfolg, denn der Actuar erklärte mit aller Entschiedenheit: „Ich habe Befehl, Sie ,als Arrestantinnen in das Gerichtsgebäude zu bringen, und diesem Befehle werde ich gehorchen."
„Wir weigern uns!" rief Fräulein von Wenzyk empört.
„Ich rathe es Ihnen nicht," entgegnete der Actuar kaltblütig, „denn für solchen Fall bin ich ermächtigt, die Soldaten herbeizurufen und Sie mit Gewalt fortführen zu lassen."
Die beiden Nonnen zitterten bei dieser drohenden Aeußerung; der Canonicus aber beeilte sich, den widersetzlichen Ordensschwestern vorzustellen, daß ihnen kein Widerstand nützen könne, daß sie^ hier auch keine Hilfe von Seiten der geistlichen Vorgesetzten zu hoffen hätten und demnach sich fügen müßten. Da fügten sich die Ordensschwestern wohl, aber Theresa rief: „Solche Behandlung ist unerhört."
„O, glauben sie mir," antwortete der Actuar, „die Behandlung der unglücklichen Barbara Ubryk ist noch weit unerhörter!"
Die Ordensschwestern verstummten und fügten sich. Sie schritten an die Reihe der bestürzt dastehenden Nonnen vorüber und waren keck genug, mit ihren durch die größte Barbarei entweihten Händen, den zurückbleibenden Nonnen ihren Segen zu ertheilen.
Die Nonnen wurden zu dem Wagen geleitet und aufgefordert, einzusteigen. Das Volk, welches sogleich die Ursache dieses Transports erfahren hatte, begleitete den Wagen unter lautem Hurrah, vermischt mit Drohworten und Schmähungen auf die Nonnen, denen man zum allerwenigsten wünschte, daß sie auf ein paar Jahre nackend einen Kerker beziehen müßten, gleich dem. den das unglückliche Opfer ihrer Bosheit so lange hatte'bewahren müssen, und daß sie dabei eine gleiche Behandlung erfahren möchten, damit sie nur empfänden, wie es thut. Aehnliche Ausrufungen folgten sich noch häufig. und oft drängte sich die Menge so gewaltsam um den Wagen, daß derselbe nur in Schritt fahren konnte und die Eskorte erst den Weg wieder frei machen mußte. — Die Arrestantinnen hatten bei solchen Stockungen Gelegenheit, die gegen sie gerichteten Ausbrüche des Volks- uuwillens recht deutlich zu vernehmen, und zugleich konnten sie daraus berechnen, welches Schicksal ihrer warte, wenn ihr böser Stern es wollte, daß sie in die Hände der Aufgebrachten sielen. So ging es fort, bis der Wagen sammt Insassen und Eskorte vor dem Gerichtsgebäude ankam, wo der Untersuchungsrichter die Gefangenen erwartete und sie persönlich nach den ihnen bestimmten Zelle führte, wo die Nonnen eingeschlossen wurden und nun das Peinigende der Gefängniß- einsamkeit zu fühlen Gelegenheit hatten. Am folgenden Tage wurde nun das Verhör der beiden hochgestellten Nonnen vorgenommen. Vorher hatte der Untersuchungsrichter noch einen harten Kampf mit den Arrestantinnen zu bestehen, ehe sich dieselben einer hergebrachten

