57
Sich umwendend, ergriff er Gabriels Hand, um ihn aus dein Saale zn führen, als die Thüre desselben abermals geöffnet wurde, und eine kleine, hagere Gestalt, in einen großgeblümten, seidenen Schlafrock gehüllt, mit Pantoffeln an den Füßen und eine lange türkische Pfeife in der Hand, hastig hereintrat.
„Was zum Henker, Nero, machst du für Spektakel ?" rief er dem Sieger zn und seine kleinen grauen Augen funkelten wie Blitze aus dem gelben, faltenreichen, wie mit Pergament überzogenen Gesichte hervor. „Kann ich denn keine Stunde ruhig bei meinen Büchern sitzen? Und was ist denn hier vorgegangen? Da liegt ja Simia Rosalia, mein Löwenäffchcn, auch Maritina genannt, das ich erst voriges Jahr als eine Seltenheit aus Guyana mitgebracht und gezähmt, bewegungslos ani Boden und streckt alle Viere von sich? Nero, Unmensch, schwarzer, Satan, elender Aethiopier, warum hast du dies Prachtexemplar von Simia Rosalia erschlagen? Denn erschlagen ist das gute, seltene Geschöpf, der Schädel ist zerschmettert, mit Gewalt ist es vom Leben zum Tode gebracht worden?"
In Schinerz und Zorn ausgelöst, hatte der würdige Gelehrte, in welchem Gabriel sogleich mit Schrecken seinen Oheim erkannte, das Löwenäffchcn vom Boden ausgenommen, untersucht und an seine Brust gedrückt. Jetzt schob er es in die Tasche seines Schlafrocks, fuhr heftig auf Nero ein, packte ihn am Arme und schüttelte ihn. „Nero, warum hast du das gethan?" schrie er von Neuem. „Warum hast du den Marikina, das einzige lebendige Exemplar in Europa, den Stolz unseres weltberühmten Naturalien-Kabinets mit frevelnder, grausamer Hand todt geschlagen?"

