Ja, arm waren sie, mußten sie sein, und doch — beneidete ihnen der reiche Professor ihren Reichthum an — Liebe. Tausend Mal wünschte er sich an die Stelle des kranken Vaters, tausend Mal dachte er: Wenn du doch eine solche Tochter hättest, die dich pflegte, dich tröstete, dich aufheiterte in deiner Krankheit! Nero meint es wohl gut, aber er hat nun einmal das Geschick nicht dazu.
So sprach der Professor, und seufzte, und blickte immer und immer wieder in das Stübchcn oder in die Hollunderlaube hinein, wo die glücklichen armen Leute, die er so sehr beneidete, beisammen saßen.
Eines Tages, der Professor hatte nicht schlafen können und war sehr frühe aufgestanden, blickte er kurz nach Sonnenaufgang in die Laube hinüber, und sah — seinen Aethiopier, seinen Nero, seinen Schwarzen leibhaftig, wie er lebte, an dem Stocket stehen und mit dem Mädchen plaudern, das schon wieder nach ihrer Gewohnheit fleißig an ihrer Stickerei arbeitete. Der Neger lachte, rieb sich die Hände und schielte von Zeit zu Zeit nach dem Fenster seines Herrn hinauf. Plötzlich sah er den Professor, rief dem Mädchen ein paar Worte zu und verschwand.
„Nero!" rief der Professor, welcher ihn gleich darauf im Vorzimmer kommen hörte.
Nero kam.
„Was hast dn mit unsern Nachbarslcuten drüben zu schaffen?" fragte mürrisch der Professor, der seinen schwarzen Diener ordentlich um das Glück beneidete, die Bekanntschaft mit den Leutchen drüben gemacht zu haben.
„Ich plaudern mit sie!" antwortete Nero kurz.

