111

leiten öffentlich meistbictcnd zu versteigern. Auf diese Weise allein konnte die Schuld gedeckt, und das äußerste Unglück, die Gefangennahme Herrn Hochlands, ver­mieden werden. Was nachher geschehen solle, das wußte Gott allein! Der unglücklichen Familie blieb nichts übrig, als die nackten vier Wände des Hauses und der Ertrag des Gartens und auch dieß gehörte nicht einmal ihnen, sondern dem harten Bruder, nach dem sie vergeblich flehend die Hände ausgestreckt hat­ten. Würde er sie wohl im Besitze des Hauses lassen? Würde er sie nicht hinausjagen, wenn sie.nun den Micthzins nicht mehr bezahlen konnten dafür? Herr Gabriel senior schüttelte zweifelnd den Kopf, wenn er sich diese Fragen vorlegte, und wußte nicht recht, wie er sie beantworten sollte, denn er war an seinem Bru­der, stuf den er so großes Vertrauen gesetzt, ganz irre geworden.

Morgen mit dein frühesten sollte nun die Verstei­gerung vor sich gehen. Gabriel junior hatte bereits ein Vcrzcichniß aller Habseligkeiten entworfen, die öffent­lichen Bekanntmachungen waren gedruckt und verlesen worden, und die ganze Stadt Lauterbcrg freute sich auf die Anetivn, wie auf ein Fest. Im Hause des Herrn Hochlands sah es dagegen um so trübseliger aus. Da erblickte man kein fröhliches Gesicht, sondern Vater, Mutter und Geschwister schlichen bedrückt und traurig um einander herum, und Keiner wagte dem Andern in's Auge zu sehen, weil er ja doch nichts darin gele­sen hätte, als den Ausdruck des bittersten Schmerzes. Minchen allein hatte nicht allen Muth und alle Hoff­nung verloren. Ohne sich dafür einen Grund angeben zu können, vertraute sie mit einer gewissen Zuversicht