28
Zeuge sein," schwor der Kaufmann, „daß ich zu Dir zurückkehren will!"
Da sagte der Niese: „Wie lange Frist begehrst Du?"
„Ich bitte um ein Jahr," antwortete der Kaufmann. „In kürzerer Zeit vermag ich nicht alles, was ich wünsche, zu ordnen und zu besorgen. Morgen über ein Jahr aber will ich wieder hier an der nämlichen Stelle sein." „Schwörst Du mir Das?" fragte der Riese.
„Ich schwöre es bei Gott!" sagte der Kaufmann Da verschwand der Riese und der Kaufmann war allein bei der Quelle.
Als er sich ein wenig von seinem Schreck erholt hcstte, bestieg er sein Pferd wieder und ritt in Einem fort, bis er nach der Heimath kam. Halb war er froh, daß er aus der Gewalt des Riesen vorläufig frei war, halb traurig, daß er nur noch ein kurzes Jahr zu leben hatte.
Als er in sein Haus trat, wollten ihn seine Frau und seine Kinder mit Freuden umarmen. Er aber mußte weinen, als er sie ansah, denn er dachte daran, daß er sie nur noch so kurze Zeit sehen sollte. Natürlich fragte ihn seine Frau nach der Ursache seiner Thränen. Sie dachte vielleicht, ihr Mann hätte schlechte Geschäfte gemacht auf seiner Reise, und hatte keine Ahnung, wie schlimm das war, was ihn betroffen hatte.
„Wie sollte ich nicht weinen," begann der Mann, „da ich doch nur ein einziges Jahr noch bei Euch sein kann und dann sterben muß." Und hierauf erzählte er ihnen die ganze schreckliche Geschichte an dem Quell und wie er geschworen hatte über's Jahr dorthin zurückzukehren, um sich tobten zu lassen. Das brachte nun

