Das Zauberpferd
Es wurde in Schiras, der Hauptstadt von Persien, das Frühlingsfest gefeiert. Der König saß auf seinem Thron, aber nicht im Palaste, sondern im Freien aus dem großen Platz vor dem Schlosse, und die geschicktesten und gelehrtesten Männer des In- und Auslandes hatten ihm ihre neuen Erfindungen und Künste vorgeführt, wegen deren er ihnen, je nach seiner Befriedigung, angemessene Belohnungen hatte reichen lassen. Er war eben in Begriff, die Festlichkeiten zu verlassen, als zuletzt noch ein Jndier vor ihm erschien, der ein gesatteltes und reichgezäumtes Pferd herbeiführte. Auf den ersten Blick konnte man glauben, es sei ein lebendiges, so natürlich sah es aus. Der Jndier aber sprach zum König:
„Herr, ich komme zwar ganz zuletzt, aber ich glaube nicht, daß ihr heute schon etwas so Wunderbares gesehen habt als das Pferd, welches ich gebaut habe."
„Das Pferd ist einem natürlichen täuschend ähnlich," antwortete der König; „aber ich bezweifle, daß du der Einzige bist, der so etwas verfertigen kann."
„Das ist auch nicht die Hauptsache an dem Pferd," erwiderte der Jndier. „Sondern diese ist es, daß man

