Sidi Numan
Zur Zeit, als die Stadt Bagdad in ihrem größten Glänze war, herrschte über die Araber der Kalif Harun «l Raschid. Dies ivar ein weiser und gerechter Regent, und weil er wußte, daß ei» Fürst von seinen Beamten nicht immer die Wahrheit erfährt, so mischte er sich manchmal in bürgerlicher Kleidung selbst unter das Volt, um zu sehen, wie es seine Unterthanen trieben nnd ob im Staate alles in Ordnung sei.
Einmal hatten der Kalif nnd sein Minister sich auch als Kaufleute angekleidet und machten einen Spazier- gang durch die große und reiche Stadt. Da fanden sie auf einem öffentlichen Platze viel Volk versammelt, das einem gut gekleideten Reiter zusah, der sein Pferd auf dem Platze herumjagte und es dabei unbarmherzig mit Peitsche und Sporen bearbeitete. Der Kalif erkundigte sich bei den Zuschauern nach dem Grunde, ives- halb der Reiter sein Roß so'mißhandle. Mit Unwillen erzählten die Leute, daß man dieses Schauspiel schon seit längerer Zeit tagtäglich genießen könne, aber niemand wußte eine nähere Auskunft darüber zu geben.

