Bruder, sagte er, „so viel Gutes erzeigt, sollte ich dir jetzt ein so großes Unheil zufügen? Das kann ich nicht! Bedenke, welch großes Unglück für einen Menschen es ist, des Augenlichtes beraubt zu sein, bedenke, daß du es dein ganzes Leben lang bereuen würdest!"
„Aber alle seine Worte fruchteten nichts bei mir. Ich glaubte es nun einmal nicht, daß die Salbe blind mache. Zuletzt drohte ich ihm sogar mit Gewalt, wenn er nicht gutwillig Folge leisten wolle. Da that er mir endlich den Willen. Er nahm etwas von der Salbe auf seinen Finger, ich schloß die Augen, er strich mir's auf das rechte Augenlid, und als ich die Augen wieder öffnete, war dichte, undurchdringliche Finsterniß vor mir und ich blieb fortan blind — wie du siehst.
„Nun fing ich an zu jammern und meine Habgier zu verfluchen. Nun bestürmte ich den Derwisch, mich wieder sehend zu machen. Ich versprach ihm jede Belohnung, die in meiner Macht läge. Er aber antwortete mir. „Unglücklicher, du wolltest dich nicht warnen lassen! Mit deiner Habsucht und deinem Eigennutz hast du dir ein Schicksal zugezogen, von welchem dich niemand erlösen kann. Der Reichthümer, die ich dir mittheilen wollte, warst du nicht werth. Ich werde sie nun zu bessern Zwecken benutzen und sie an Menschen austheilen, die nicht so undankbar sein werden als du." Kein Wort sagte er weiter. Ich hörte ihn die sämmtlichen Kameele versammeln und sie auf der Straße nach Bassora Hinwegtreiben. Ich rief ihm noch nach, ob er mich nicht wenigstens bis zur nächsten Karawane mitnehmen wollte, die nach Bagdad ginge; aber er antwortete mir nicht und ließ mich in meinem tiefen Elend allein.
„Damals war's, wo ich den feierlichen Eid schwor,

