Glas zu füllen. „Ein einziges," sagte das Mädchen. Das wunderte den König wieder, denn er hatte nicht geglaubt, daß diese Gegend so fruchtbaren Boden habe. Er ließ sich die Steuerregister bringen, und da er darin fand, daß diesem Ort sehr wenige Steuern auferlegt seien, so verordnete er, sobald er nach Hause kam, daß dieselben verdoppelt würden.
- Einige Jahre nachher kam der König zufällig wieder in diese^Gegeud. Er suchte dasselbe Häuschen wieder auf und bat das Mädchen, wie damals, um einen Trunk. Es ging, denselben zu holen, blieb aber lange fort, bis es endlich mit dem Glase zurückkam, das aber nicht viel über halb voll war. Der König wunderte sich darüber und sagte: „Ei meine Tochter, als ich das erste Mal bei dir einsprach, da warst du flinker und brachtest mir auch ein volles Glas." — „Ja," antwortete das Mädchen, damals war uns auch der König noch gewogen, darum bauten wir großes und starkes Rohr, wovon ein einziger Stengel schnell ein ganzes Glas Saft gab. Heute habe ich aber drei Stengel ausgepreßt und das Glas nicht einmal vollbekommen. Das kommt nnr daher, weil der König uns nicht mehr gut ist, da wächst auch nichts mehr bei uns."
Der König lächelte, dankte ihr und ritt wieder fort. Zu Hause aber befahl er, daß die Steuern jenes Ortes auf das alte Maaß herabgesetzt würden.

