daß er kommt; aber freilich seine Schwester Margareth wäre hier weniger an ihrem Platze."
Ein boshaftes Lächeln flog über des Knaben Gesicht. „Und eben diese Margareth, die übrigens niemals so weise und altverständig thut, wie meine theure Schwester, obgleich sie grade nicht dümmer ist, wird auch mit kommen," sagte er triumphirend, „vielleicht bleibt sie gar hier und besucht noch ein oder zwei Jahre ein gutes Institut. Das wäre mir recht. Margareth tanzt ohne Umstände niit mir, wenn ich sie auffordere, und Du kommst Dir immer zu gut dazu vor, wenn wir einmal Besuch haben und nach dem Flügel tanzen."
Erdmuthe sah bitterböse auS. Die Hand flog hastig am Stick« rahmen auf und nieder, endlich schob sie ihre Arbeit ganz bei Seite und sagte: „Wie einfältig! wenn wir Besuch bekommen, kann ich meinen Teppich nicht fertig sticken, und er hätte doch gewiß unter den Examenarbeiten in meinem Institut den ersten Platz bekommen. Alle, die ihn gesehen haben, meinen ja, daß es ein kleines Kunstwerk werde. Aber in drei Wochen ist Ostern, und ich werde alle Tage mit Margareth spazieren gehen, ihr das Arbeitshaus und die Spielschulcn, alle Kirchen und Kirchhöfe dazu zeigen sollen; grade wie sie mich in Gabelsdorf vom Keller bis in den Taubenschlag führt, und mir keinen Stall erläßt, in den ich nicht gucken müßte. Sogar mit dem Hunde an der Kette und den ungeschickten jungen Lämmern mußte ich Bekanntschaft machen. Warum bleibt sie nur nicht lieber zu Hause? All' ihre Hühner werden den Pieps bekommen, wenn sie auf so viele Wochen fortgeht. Das solltest Du ihr schreiben und recht an'S Herz legen, Victor, da Du doch so gut Freund mit der Cousine bist."
„Ich wollte, es bekänie Jemand im Hause die Masern oder so etwas, und die jungen Herrschaften auS Gabelsdorf hätten die Krankheit noch nicht gehabt," sagte Victor, indem er mit dem Absatz seiner feinen Stiefeln gegen die Diele stanipfte.
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