Die Präsidentin that, als ob sie Margareths Worte nicht gehört habe, entzog ihr aber etwas hastig die Hand, um sie Fritz zum Kusse zu reiche», der eben seine tiefste Verbeugung vor ihr machte. Erd- muthe triumphirte; sie wußte es in dieseni Augenblicke mit Gewißheit, daß die Cousine nun gleich von vorn herein bei der Großmama in Ungnade gefallen war, denn von nichts hörte die Präsendentin so ungern sprechen, als von ihrem Alter, und daß Gretchcn sie ohne alle Umstände mit „Du" angeredet hatte, nahm sie wohl eben so wenig gütig auf. — Erdmuthe glaubte also schon eine Verbündete gewonnen zu haben, und zeigte sich launisch und unfreundlich gegen Margareth.
Der folgende Tag brachte schon eine Frühlingsahnung mit sich und der Commerzienrath schlug seinen Gästen einen Spaziergang durch den Thiergarten vor, an dem Groß und Klein Theil nahmen. Nur die Großmama scheute die Frühlingsluft und blieb zurück. Sogleich war Margareth bereit, ihr Gesellschaft zu leisten, obschon sie sich vielleicht am allermeisten auf den Spaziergang gefreut hatte. Erdmuthe bestärkte die Cousine in ihrem Vorsatz, denn diese trug noch eine» altmodischen Winterhut und einen ziemlich schlechten Mantel. — Die Frühjahrsgarderobe sollte erst in der Stadt angeschafft werden, und Erdmuthe hätte sich z» sehr geschämt, wenn eine ihrer Jnslitntsfreun- dinuen ihr begegnet wäre und den Winterstaat ihrer Begleiterin gesehen hätte.
Die Präsidentin lehnte zwar anfänglich daö Anerbieten des jungen Mädchens ab, aber es freute sie doch, daß Margareth so viel Rücksicht auf sie nahm; i» dieser Weise war sie selbst von ihren Enkelkindern nicht verwöhnt worden, denen ihr eigenes Vergnügen über alles andere ging. Sie willigte daher zuletzt darein, daß Margareth bei ihr bleiben und ihr die Zeit vertreiben solle, war aber sehr gespannt darauf, wie die Kleine das ansaugen würde.
Kaum war die Gesellschaft zum Aufbruch bereit, so klopfte Mar-

