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fca wurde die alte Dame allen Ernstes böse und meinte: so etwas müsse man gar nicht bemerken, das schicke sich nicht.

Indem Gretchen so über die Wunderlichkeiten der Stadtleute nach­dachte und fast ein wenig Heimweh nach ihrem Gabelsdorf empfand, setzte sie sich still auf ein Fußbänkchen, schlug ihre Bibel, die sie von zu Hause mitgebracht hatte, auf und sing vom unfruchtbaren Feigen­baum zu lesen an, ein Kapitel, das die Großmama daheim immer gern hören mochte. Die Präsidentin wollte sie nicht geradezu daran verhindern, legte aber ihre Patience fort, ohne sich stören zu lassen. Bald jedoch mußte sie fast wider Willen auf die Kleine hören, die sehr viel Wohllaut und Innigkeit in ihrer Stimine hatte; endlich legte sie die Karten bei Seite und stützte den Kopf in die Hand, denn sie er­innerte sich plötzlich ihrer eigenen Jugendzeit, wo ihr eine liebe Tante, die im Hause ihrer Eltern lebte, in einer großen Bibel Bilder gezeigt und die schönsten Geschichten daraus erzählt hatte. Sie wurde weich und wehmüthig bei diesen Kindheitserinnerungen und strich dabei, ohne daß sie es selbst wußte, sanft über Magareths rothe Locken, über ihr weiches Haar mit dem leichten Goldschimmer, der es eher schmückte als entstellte. Dadurch wurde das junge Mädchen auch zutraulicher gegen die alte Dame und fing nun an davon zu erzählen, wovon ihr Herz zum Ueberfließen voll war: von der Heimath, wie gut die Mut­ter und wie fromm die Großmutter sei und die Präsidentin hörte so aufmerksam zu, als ob sie noch das Kind sei, dem die Tante die Geschichte des neuen Testamentes erzählte.

Die zwei Stunden, welche sie mit Margareth zusammen verbrachte, vergingen wie so viele Minuten, und als Erdmuthe mit einer schönen, dunkelrothen Camclie in der Hand ins Zimmer trat, die sie i» einem Gewächshanse für die Großmama gekauft hatte, achtete diese kaum auf die prächtige Blume, denn sie hatte ja eben den Duft süßer Kind­heitserinnerungen geathmet und sich auf der großen Wiese hinter dem