dort oben wohnte eine alte Frau, die einmal reich und vornehm, jetzt aber von aller Welt vergessen und verlassen war. Doch nein, nicht von aller Welt! Das Kindermärchen der Fürstin schlich sich ja, so oft es nur ihre Zeit erlaubte, die fünf hohen Treppen hinauf, und »
brachte der alten Frau manchmal eine kleine Labung, meist nur ihr freundliches Gesicht und ihre guten, freundlichen Worte. Andere Geschenke hätte sie ihr nicht bieten mögen, auch wenn sie es gekonnt hätte, denn sie empfand zartfühlend genug, um zu wissen, was der guten Alten wohlthuend sei. Auch litt diese nicht eben Mangel; sie hatte grade so viel, um eine Aufwärterin halten, ihre Miethe bezahlen und ihr kleines Stäbchen behaglich durchwärmen zu können; bei einer Gastwirthin der Nachbarschaft ließ sie sich täglich ihr Fleischsüppchen holen und mehr brauchte sie nicht. Dabei war sie zufrieden, denn seit die Welt sich nicht mehr um sie kümmerte, hatte auch sie der Welt abgesagt, und hielt sich zu dem Freunde und Tröster der Wittwen und Waisen. Sie las in erbaulichen Büchern und strickte, so gut es bei ihren alten Augen gehen wollte, warme Socken für einen Armenverein. Das war das Ende eines Lebens, dem in seinen ersten Anfängen Glück und Freude gelächelt, das in seiner Sonnenhöhe Glanz und Schimmer uni sich verbreitete, und nun so ganz einsam und schmuck
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los in s Grab hinabstieg. Die Geschichte eines solchen Lebens, dem Verständniß des KindeS angepaßt, konnte sehr lehrreich werden; daruni erzählte Margarcth dem kleinen Mädchen nun von ihrer alten Freundin, die drüben im Dachstübchen wohnte und bei allen Entbehrungen, aller Vereinsamung doch zufrieden und glücklich war.
„Ach, nimm mich doch einmal mit zu der guten Frau hinüber," bat Clara schmeichelnd. „Jst's denn hübsch in dem Dachstübchen, sind Spiegel und Sammtsessel, Musselinvorhänge und hübsche Bilder darin?"
„Nein!" antwortete Margareth lächelnd, „aber ein kleines Glas-

