stigen Eichkätzchen von Ast zu Ast springen, als daß sie Schönschrei­ben, und Schiefertafelnbilder abzeichnen lernt. Ich verdenk' es ihr auch ganz und gar nicht, und Mama wird lange suchen können, ehe -» sie ein anderes kleines Mädchen findet, die Lust hat, all' das Schwere

zu lernen, was Mademoiselle von mir fordert."

Ueber diesen Gedanken vergaß Hortense der Mutter zurguten Nacht" die Hand zn küsse» und ging lustig singend die Stiege hinauf in ihr Schlafzimmer, daö sich dicht neben der Schulstube befand, die ihr ein Gegenstand des Abscheus war, denn sie war ein träges Kind. Sie hätte Leonoren zum Spielen recht gern um sich gehabt, denn so sehr sie jede Arbeit und Anstrengung scheute, so viel hielt sie auf Zerstreuungen aller Art, und das Dorfkind mit dem treuherzigen, muntern Wesen, hatte ihr sehr gefallen. Sie hätte wohl mit ihr Rei­fenwerfen, oder einen Putzladen aufstellen und Hauben, Hüte und * Bänder aus Blumenblättern und Gras mit Tannennadeln hineinar­

beiten niögen, das wäre gewiß ganz allerliebst geworden. Sie dachte darüber nach, wie sie es entweder mit Bitten oder durch hartnäckigen Eigensinn durchsetzen solle, daß Leonore nur znm Spiel anf's Schloß kommen dürfe, bis ihr die Augen ziifielcn, und als die Gouvernante an ihr Bett trat und sie erinnerte, das Nachtgebet nicht zu vergessen, schlief sie schon so fest, daß sie nicht zu erwecken war.

Leonore war mit ihrem Holzbunde auf dem Rücken ein gut Stück Wegeö im Dorfe hingegangen, denn das Häuschen der Mutter stand fast am Ende desselben, als sie Lärm und rohes Gelächter hörte, und ^ eine Menge Knechte vor einem Bauernhöfe stehen sah, in deren Mitte

sich ein alter Handelsjnde mit schneeweißem Barte befand, der von den übermüthigen jungen Burschen arg verspottet und geneckt wurde.

Leonore kannte einen der Knechte, und weil sie ihn für gutmü­thiger hielt, als die Andern, so zog sie ihn bei Seite und bat, er möge doch dafür sorgen, daß man den armen Alten ruhig seines Weges

«

123