stieß Leonor sie leise mit dem Arm an und sagte:Wir haben ia noch nicht gebetet!"

Und als ob sich das von selbst verstehe, stand sie auf, faltete ihre Hände und sprach laut, ohne alle Verlegenheit, wie sie es aus der Schule her gewöhnt war:Vater, im Himmel, wir rufen Dich an u. s. w." Mademoiselle Hauteville nickte ihr wohlgefällig zu, und das Gebet zu Anfang der Schule, was bis dahin nicht Sitte im Schlöffe gewesen, war damit eingeführt, denn Leonor sprach es jeden Tag, ohne sich durch irgend etwas davon abhalten zu lassen, und end­lich gewöhnte sich auch Hortense daran, mit einzustimmen. Wenn die Erzieherin es ihr befohlen hätte, so würde die kleine Eigensinnige wohl viel schwerer dazu zu bewegen gewesen sein.

Schon nach den ersten Wochen gewann das Hoffräulein, wie Hortense ihre kleine Gespielin halb im Scherz, halb im Ernst nannte, jener den Rang im Lernen ab und erhielt am Schlüsse des Monats stets die rothe Karte der Auszeichnung, während Hortense sich mit der grünfarbigen abgefunden sah, welche die Hoffnung andeuten sollte, welche die Lehrerin noch immer hege, während die Liebe zum Lernen, die Leonor zeigte, durch das Roth bezeichnet wurde. Vergeb­lich versprach der Papa seinem Töchterchen das schönste Geschenk für eine rothe Karte.Es ist doch einmal alles mein, was Papa hat," sagte sie gleichgültig,und ich habe ohnehin so viel Spielsachen, daß es eine Last ist, sie immer aufzuräumen, worauf Mama doch so strenge hält."

Leonore dagegen legte ihre rothe» Karten eine zur andern auf den Sims in der Stube, neben die Bibel und das Gesangbuch, und sagte:Siehst Du, Mutter, der liebe Gott hilft mir beim Lernen, weil ich Dich so lieb habe und Dir gern Freude und Ehre machen möchte."

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