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So erlebte die Baronin wenig Freude an ihrer Tochter, und wenn sie dieselbe in ihrer Nähe hatte, was freilich immer seltener geschah, weil die Kranke von Tage zu Tage schwächer wurde, so empfand sie mit Betrübnis;, das; ihr Stolz, ihre Herrschsucht und ihre Rücksichtslosigkeit immer mehr zunehme, und doch war sie zu schwach und krank, um mit Ernst und Strenge gegen ihr thörichtes Kind zu verfahren. Auch würde sie darüber mit ihrem Gemahl in ernstlichen Zwiespalt gerathen sein, der an Hortensen alles gut fand, und die Schuld für deren Unwissenheit und Fehler lediglich bei den Erzieherinnen suchte, weshalb dieselben unaufhörlich gewechselt wurden. Eine Zeit lang hatte die Baronin gehofft, daß der vertrauliche Umgang mit Leonor Vortheilhaft auf ihre Tochter einwirken werde, aber sie mußte sich bald genug davon überzeugen, daß dies keineswegs der Fall war, Leonor aber wohl viel von Hortenses herrischem und eigenwil­ligen Wesen zu leiden habe. Sie würde auch die beiden Mädchen unbedingt von einander getrennt haben, wenn Leonor nicht so außer­ordentliche Fortschritte im Lernen gemacht häte, daß sie es für Un­recht hielt, ihr die Gelegenheit zur weiteren Ausbildung ihrer Geistes­kräfte und Fähigkeiten wieder zu entziehen.

So blieb wie war und die bekümmerte Mutter nahm we­nig Trost mit in ihr frühes Grab; denn als das erste Grün unter dem schmelzenden Schnee hervorkam, ging die Baronin zur ewigen Ruhe ei».

Hortense hatte den Tod ihrer Mutter mit der ganzen Leiden­schaftlichkeit ihres Wesens beklagt, und wer ihre Klagen hörte, ihre strömenden Thränen sah, mußte sie für die zärtlichste Tochter halten. Vielleicht mischte sich auch im Ansang viel Reue in ihren Schmerz, aber die Wirkung derselbe» war mindestens nicht von langer Dauer, und man konnte bald inne werde», daß für Hortense nun jede Rück­sicht aufgehört habe. So jung sie noch war, regierte sie doch jetzt