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erfahren, warum ich Dir nicht nachgeben konnte, und meine sich stets gleich bleibende Liebe wird endlich doch wohl den häßlichen Eigenwillen meines sonst so braven Schwesterleins überwinden."
Dabei strich er mir liebkosend das Haar und ließ mich allein. Aus dem Spaziergange wurde nun nichts, denn Paul forderte mich nicht weiter dazu auf, aber lesen konnte ich auch nicht mehr. Ich hatte noch lange nachher die Thränen in den Augen. So ernst hatte mein Bruder ja noch nie mit mir gesprochen; jedes seiner Worte hat sich mir tief eingeprägt, und ich will es gewiß niemals vergessen. O, es ist so schwer, immer das Rechte zu thun!
In acht Tagen kommt die Tante und^rm 15. Mai reise ich mit ihr nach Berlin zurück. Das ist der Sonnenschein über mir! Aber ich muß Vater und Mutter, die liebe Mathilde sammt ihrem drolligen kleinen Buben auf zwei volle Monate entbehren, das sind die grauen Wolken in dem glänzenden Himmelblau. Ohne Thränen komme ich gewiß nicht fort, denn wie schön auch die große Königsstadt Berlin sein mag:
Ach, nie scheint unsres Herrgvtt's Sonne So schön als da, wo sie zuerst uns schien!
Ja, in alle Erdenfreude mischt sich ein Tröpflein Schmerz!
M i.
Ich bin nun seit vierzehn Tagen in Berlin und habe seitdem fast in einem steten Rausch von Bewunderung und. Freude gelebt. Die prächtigen Bauwerke, die breiten schönen Straßen, auf denen von den frühesten Tagesstunden an ein ununterbrochenes Treiben und Drängen herrscht; die glänzenden Schauläden und die zauberhafte Beleuchtung zur Abendzeit, besonders auf dem Schloßplätze, wo eine

