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Klothilde lächelte.Gehet nicht Gottes Sonne anf über Gerechte und Ungerechte?" fragte sie.Aber ein dankbares oder ein liebendes Herz muß der Verstorbene doch zurückgelassen haben, das ihn, nachge­weint und diesen Strauch gepflanzt haben mag; darum schon pflichte ich Deiner Voraussetzung bei, daß ein guter Mensch hier schläft. Aber es ist doch seltsam, daß Martin, unser alter Tvdtengräbcr, der doch sonst die lebendige Chronik der Stadt ist und ein so genaues Register über die hält, die sich bei ihm das letzte Kämmerlein miethen, so gar nichts über dies Grab weiß."

Und da sich Niemand dazu bekennt," nahm die gefühlvolle He­lene das Wort,so wird man eines Tages einen anderen Todten an diese Stelle betten und damit den köstlichen Rosenstock, die schönste Zierde unseres Friedhofes, vernichten. Sollten wir nicht das kleine Opfer bringen und den Hügel von Zeit zu Zeit mit frischem Rasen belegen lassen? Du weißt, daß wir das Grab oder eigentlich unsere lieben Rosen schützen können."

Dieser Entschluß ward ausgeführt. Schon am nächsten Tage arbeitete Martin, der Todtengräber, an der einsamen Grabstätte und war ganz besonders vorsichtig bei seinem Thun, um nur ja kein Aest- chen des Strauches zu verderben, den die lieben jungen Mädchen so gern hatten. Denn für Helenen und Klothilden wäre der alte Mann zu jedem Dienst bereit gewesen, der nur im Bereich seiner Kräfte lag; hatten sie doch mit Aufopferung und rührender Güte seine brave Frau viele, viele Wochen lang gepflegt, als sie vor ihrem Ende an der Wassersucht darniederlag; hatten sie ihr doch vorgelesen und schöne wieder mit ihr gebetet und zuletzt noch mit eigenen Händen den sau­beren Anzug genäht, in dem die gute Alte begraben wurde. Das konnte ihnen Vater Martin niemals vergessen, und ein Lichtstrahl der Freude flog über sein faltenreiches Gesicht, wenn er die Töchter des Pfarrers auch nur von fern erblickte.Das sind ächte und rechte