brauchen gewesen sein; auf die schönsten Landschaften soll er immer und immer, ganz gegen Sinn und Verstand, eine weiße Rose gemalt haben, die eigentlich ein Menschcnangcsicht gehabt hat. Der Wirth im Engel, wo der wahnsinnige Maler eine Zeit lang gewohnt hat nnd auch verstorben ist, hat es mir damals selbst erzählt. Aber ich halte das Fräulein Helene mit meinem Geschwätz nur auf, und wollte doch eigentlich nur fragen, wie es mit der Gesundheit steht. Bei mir zu zu Haus ist Weib und Kind frisch und munter."
„DaS freut mich! Aber warten Sie doch noch einen Augenblick; ich mochte Sie noch um etwas fragen. Hat der Gastwirth zum Engel , oder einer seiner Leute die schone, weiße Rose hierher gepflanzt?"
Franz schien erfreut, weitere Rede und Antwort stehen zu können. „Ja, mit der hat cö eine eigene Bewandtniß," sagte er halb lächelnd, halb verlegen, „Die Rose gehört eigentlich gar nicht auf das Grab des verwirrten Malers, aber den Todten ist so etwaö wohl einerlei, denk' ich mir. Sehe» Sie, liebes Fräulein Helene, es mochten etwa ein paar Wochen seit dem Tode des fremden Mannes in's Land gegangen sein, da logirt im Engel eine vornehme Dame, die mit Wagen und Dienerschaft auf der Reise nach einem berühmten Badeorte ist. Man hatte sie aber nur mit Kummer und Noth bis in unsere Stadt bringen können, so krank war sie und starb auch richtig in der nächsten Nacht. Sie wurde mit allen Ehren begraben und der Reisemarschall, oder wie der Bediente genannt wurde, der immer eine Geldtasche an der Seite trug, bezahlte alles in neuen, holländischen Dukaten. Dann gingen Equipage und Domestiken wieder dahin zurück, von wannen sie gekomnien waren. — Etwa einen Monat später kommt an den Engelwirth von weit her eine wohlverwahrte Kiste, darin liegt ein kleiner Rosensenker, und in dem Briefe steht: den solle man der verstorbenen Gräfin auf's Grab pflanzen, bis der kostbare Leichenstein fertig sei,
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