Hemiath, ja es ist mir lieb, daß ich nicht gehen kannte und so schwer, so lange krank lag. Weiß ich doch das Grab meines braven Weibes nun noch in meiner Nähe. So bald meine zitternden Knie mich tragen, will ich hinaus!
Ich soll wieder Bilder malen. Nein, wo keine Sonne mehr ist, da giebt es auch keine Farben. An Elleonors Grabe blüht der Flieder in langen, blauen Dolden. Die Kinder kommen und brechen Zweige davon. So lange will ich den Rasenhügel hüten, bis die Fliederzeit vorüber ist, sie ist kurz; früher hätte ich gesagt: „wie das Leben," jetzt sage ich: „wie das Glück!" Es ist gewiß, ich reise in kürzester Frist. Hier mahnt mich Alles an meinen bittern Verlust.
In dem Fliederbusch hat eine Grasmücke ihr Nest gebaut. El- leonor liebte die Bögel, und ich werde das kleine Thier wohl schützen müssen, das sich so nahe an ihr Schlafkämmcrlein geflüchtet hat. Sind die Jungen ausgeflogen, so ergreife ich den Wanderstab. Ich sah gestern lange Zeit dem Bogelniännchen zu, es sang, um dem brütenden Weibchen die Zeit zu verkürzen. Dann flog es und holte ihm Futter herbei, unzählige Male, unermüdlich. Wie mich das rührte. Ja, wenn mein gutes Weib noch lebte, wie fleißig wollte ich schaffen und nicht müde werden.
Aber habe ich nicht ein Kind, für das ich sorgen müßte, wie das Bogelniännchen für seine fünf Jungen, die ihm jetzt viel Noth machen, aber auch wohl noch viel mehr Freude! Die kleine Rosa soll sehr wohl gedeihen, schreibt die alte treue Hanna. Ich möchte fort und kann nicht zuni Entschluß kommen.
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