Als sich der Anblick des lieblichen Thales mit seinen rothen Ziegeldächern und dem im Sonnenlicht glänzenden, rasch fließenden Ge- wäsier, welches das Dorf durchschnitt, — vor den Wanderern ausbreitete, blieb der Knabe stehen, und sein treuer Normann, der sich auf das Auge seines Herrn verstand, ohne daß dieser ein Wort geredet hätte, legte sich in den Zugsträngen zurück, um das Borwärts- schieben des kleinen Fuhrwerkes zu hindern: denn in der That ging die Straße jetzt ziemlich abwärts. Der kleine, sonncngebräunte Bursche wendete sich zn der verhüllten Frauengestalt zurück und sagte auf das Dorf zur Seite deutend, über dem jetzt die langsam ziehende Rauchwolke wie ein vergoldetes Dach hing; — „könnten wir nicht da hinunter, Mutter? Da ist ein Fabrikort, und Du erzähltest mir ja, daß dort immer Tausende von Armen in Noth und Elend leben; da sinden wir wohl Lumpen genug. Wir kamen niemals in diese Gegend, Mutter, denke ich." —
„Ja, Noth und Elend in Hülle und Fülle," antwortete sie finster, und der lachenden Aussicht zu ihren Füßen keinen Blick gönnend, — „aber auch der Reichthum und Hochmuth der Fabrikanten, die von ihren Maschinen und dem Schweiße ihrer Arbeiter ein üppiges Leben führen, und das arme Volk auch nicht anders als wie Maschinen betrachten. Solchen Leuten geh' ich gern aus dem Wege, wie du weißt, und darum ist mir unser Handel mit Lumpen eben recht; der bringt uns niemals mit ihnen zusammen und verschafft uns zur Noth, was wir zum täglichen Leben brauchen." —
„Das ist freilich gut, Mutter! Aber immer kann ich doch nicht," — der Knabe schlug, sich selbst unterbrechend, die Augen zn Boden und liebkoste verlegen den Hund, der sich vergnügt knurrend an seine Füße schmiegte.
„Was niöchtest Du nicht immer?" fragte die Mutter scharf, indem sie ihr Kopftuch, wie im Selbstvergessen ein wenig über die Schul-

