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Der Knabe ließ sich das nicht zweimal sagen. Der Gärtner mußte gewaltig lange Schritte machen, um mit ihm gleichen Strich zu halten. Die Mutter, den Kopf in ihr Tuch verhüllend, setzte sich auf einen Stein an der Straße neben ihr kleines Fuhrwerk und versank in traurige Gedanken.
Da läutete eine weithin tönende Glocke und nicht lange darauf strömte die Menge der Arbeiter unter Scherz und Lachen aus dem großen Fabrikgebäude, das in einiger Entfernung von dem Schlöffe lag. Friedewalt kam noch immer nicht. Jetzt griff die Frau in ihre Tasche und suchte einige Brodrinden, die sie dem Hunde vorhielt; er beleckte sie aber nur und ließ sie dann liegen. Normann war also gut gefüttert worden, indeß sie mit dem Fried' drinnen im Gartensaal gefangen war, denn er konnte sonst kein Kostverächter genannt werden nnd war immer bei Appetit. DaS rührte die Frau fast noch mehr, als daß die Schloßfrau ihren Knaben ohne Strafe, ja ohne ein Wort des Vorwurfs, obenein mit einem Geldgeschenk entlassen wollte.
Wieder vergingen einige Minuten; da wurde sie unruhig, stand hastig auf und ging nach dem Schlosse zu. In ihrer Seele tauchte schon wieder das Mißtrauen und der Haß gegen die Reichen auf. Jetzt war sie dicht unter die Fenster des Schlosses gekommen; sie sah hinein, da saß eine Frau mit weiche», milden GesichtSzügen, hatte die Hand auf das grobleinene Jäckchen Friedewalts gelegt nnd sah ihm freundlich ins Gesicht. Das kleine Mädchen schmiegte sich dabei dicht an das Knie der Mutter; der Knabe, welcher seinen Sammtrock ausgezogen und ein Tuch um den Arm gebunden hatte, stand ein wenig zur Seite und hielt eine schöne, silbcrübcrsponnenc Peitsche in der Hand.
Er wird doch den Fried' nicht etwa schlagen wollen, dachte die argwöhnische Frau. Aber da hörte sie, wie der Knabe eben zu ihrem Sohne sagte: „Nimm nur wenigstens meine Peitsche; ich möchte Dir
Saat und Ernte. 18

