1065 Bitania — Blaser, Isaak
Lord *Beaconsfield (Disraeli)^ der große englische Staatsmann, soll ebenfalls in diesem Zusammenhang erwähnt werden. Auch über ihn, den J., hat sich B. recht günstig ausgesprochen, so z. Zt. des Berliner Kongresses in burschikoser Anerkennung: „der J. hat das Rennen gemacht. 64
Aus den letzten Lebensjahren B.'s sind am bekanntesten seine Beziehungen zu Gerson *Bleichröder geworden. Ihn hat B. außerordentlich geschätzt und sich seiner Fähigkeiten in hohem Maße bedient. Wegen dieser Beziehungen machte manB. aber dann den Vorwurf, die J. und ihre Genossen zur herrschenden Klasse in Deutschland gemacht zu haben, und hetzte in heftigster Weise gegen ihn — so besonders (1875) in einer Art.-Serie der „Kreuzzeitung", den sog. „Ära-Aufsätzen" —, sodaß er schließlich erklären mußte: „Die J. sind in ihrer Politik gegen mich nie so gemein gewesen als meine christlichen Gegner."
Erwähnung verdient endlich noch das für seine religiöse Einstellung wichtige, außerordentlich innerliche Verhältnis B.'s zum Alten Testament, das er viel las und zu zitieren pflegte.
Lit.: Max Lenz, Geschichte B.'s; Erich Mareks, B., eine Biographie, Bd. I, B.'s Jugend, 1815/48; derselbe, Otto v. B., ein Lebensbild; Adolph Kohut, Allerlei neue Bismarckiana, Leipzig o. J.; ders., „B.'s Stellung zum J.-tum und zu den J." in AZ J, 1915; Otto Jöh- linger, B. und die J., 1921; Harden, Zukunft, 1893, Nr. 31; Popper-Lynkeus, Fürst B. und d. Antis., 1925.
M. * \ W. C.
Bitania s. Kolonien, landwirtschaftliche, in Palästina.
BITJA (n;n?i), nach I. Chron. 4,18 eine Tochter des *Pharao; nach dem Midrasch wurde so die Prinzessin gen., die *Moses aus dem Nilschilf gerettet und später erzogen hatte (Lev. R. I). Hierzu ist bemerkenswert, daß nach neuerer Auffassung der Name ,,Moses" dem ägypt. mesmesu, was „Kind" bedeutet, entspricht und vielleicht zugleich ein gewisses Adoptionsverhältnis bezeichnet. Moses wird daher als ihr Sohn bezeichnet (Ex. 2, 10). B. machte sich vom Götzendienste frei und wurde von Gott zum Lohn dafür, daß sie Moses als ihren Sohn bezeichnet hatte, seine Tochter (Bitja = batjdh) genannt (b. Meg. 13 a). Sie war eine Erstgeborene und sollte daher mit allen Erstgeborenen in Ägypten sterben, doch blieb sie durch das Verdienst Moses' am Leben (Pessikta Kahana VII, S. 65). B. wird unter diejenigen gerechnet, die noch zu Lebzeiten ins Paradies gekommen sind (Derech erez suta I; vgl. Lekach tow zu Ex. II, S. 9).
Lit.: JE III, 231.
S. A. Kpr.
Bitterkräuter s. Seder.
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BIÜR p^ä, richtiger wohl: Be-ur -flaa „Kommentar"), Bezeichnung für den hebräisch geschriebenen * Tora-Kommentar Moses ""Mendelssohns, der seinerzeit ebensolche Popularität wie seine deutsche * Bibelübersetzung erlangte und wie jene auch den Angriffen der orthodoxen Richtung im J.-tum ausgesetzt war, zumal der Kommentar — der damals beliebt gewesenen predigtartigen * Hermeneutik abhold — rein * exegetisch vorging. Das ganze Bibelwerk führt den Namen Netiivot haschalom („Friedenspfade"). Im einzelnen stammen die Kommentare zu *Bereschit hauptsächlich von Salomo *Dubno, zu *Schemot von Mendelssohn selbst, zu *Wajikra von Hartwig *Wessely, zu *Be- midbar und *Dewarim von 'Mendelssohn, Herz *Homberg und Ahron "Jaroslav. Auch die anderen bibl. Bücher (*Tehillim, *Schir haschi- rim u. a.) haben teils von Mendelssohn, teils von seinen Schülern ähnliche Kommentare erhalten, die, ungeachtet ihrer Sondertitel, mit dem klassischen Namen B. bezeichnet werden.
E. S. J.
B. J. A. s. Bund Jüd. Akademiker.
B. J. C. s. Kartell Jüdischer Verbindungen.
BLASCHKE, WILHELM, geb. 1885, 1910 o. Professor in Königsberg, später Tübingen, seit 1919 Hamburg, hervorragender Mathematiker.
Sr. H. M.
BLASCHKO, ALFRED, Dermatologe und Sozialhygieniker, geb. 1858 in Freienwalde a. 0., gest. 1922 in Berlin; auf seine Initiative gehen die Reformen im Prostituiertenwesen in Preußen zurück. Er war mit A. *Neißer der Gründer der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten.
Sr. H. M.
BLASER, ISAAK, Talmudgelehrter, geb. 1840 in Wilna, gest. 1912 in Jerusalem. Von 1864—78 war B. Rabbiner zu Petersburg, daher unter den Namen „Reb Itzele Peterburger" bekannt. Später übernahm er in Slobodka, einer Vorstadt von Kowno, die Leitung der * Jeschiwa und predigte als Schüler Israel Salanter *Lip- kins mit großem Eifer dessen ethisch-asketische Lehre. Dies gab der Jeschiwa eine bestimmte Färbung. Als er auf den Widerstand vieler angesehener Rabbiner, die Gegner des *„Mussar" waren, stieß, zog er nachKelmy, wo er das Buch. ,,Or Israel" der Mussar-Lehre widmete. 1902 begab er sich nach Palästina, wo er auch starb. Er ist der Vf. der Responsen ,,Peri Jizchak" (2 Teile, Jerusalem 1881 und 1912),
Lit.: M. Reisen, in „Ozar hasifrut" III, 21—31; Rosenfeld, R. Israel Salanter; JE III, 236; Jewr. E. IV, 644.
E. I. Mn.

