tiefen, festen Schlummer, der, wie es schien, auch nicht einmal durch schreckhafte Träume gestört wurde. Gabriel junior lehnte sein müdes Haupt in den Stuhl zurück, und so groß war die Abspannung aller seiner Kräfte, daß er bald, ohne es zu wissen, eben so fest einschlief, wie sein kranker Vater. Ruhig schlummerte er fort, bis der erste Schimmer des anbrechenden Tages durch das Fenster fiel. Da wurde leise die Thür geöffnet, und auf den Zehen schlichen die Mutter und Minchcn in das Krankenzimmer, um Gabriel abzulösen und an seiner Stelle das Wächteramt beim Vater zu übernehmen. Gabriel fuhr in die Höhe, und ein nrattcs, aber zufriedenes Lächeln umspielte seinen Mund, als er noch immer den Kranken in ruhigem Schlummer liegen sah.
„Wie ist es gegangen diese Nacht, lieber Sohn?" fragte leise die Mutter.
„Alles wohl, Gott sei Dank," entgcgnete Gabriel. „Aber —"
„Nun, was gibt es denn sonst noch?" fragte die Mutter voller Acngstlichkcit und Bcsorgniß.
„Ach, nichts weiter, als daß der Vater verlangt hat, ich solle in die Residenz zum Onkel gehen, ihn wegen der Zinsen auf das nächste Jahr vertrösten, und ihn bitten, uns aus der Noth zu reißen," sagte Gabriel, und erzählte ausführlich das ganze, mit dem Vater geführte Gespräch.
Mit Aufmerksamkeit hörte die Mutter Alles an, und wiegte nachdenklich und leise den Kopf, als Gabriel schwieg. „Gehen mußt du, Gabriel," sagte sie dann. „Der Vater würde ernstlich böse werden, wenn er erführe, daß du seinen Befehl nicht befolgt hättest, und dann — wer weiß, wozu es noch gut ist? Dein

