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Erdmuthe zweifelte in ihrer Selbstüberschätzung und Eigenliebe keinen Augenblick daran, daß ihr diese Auszeichnung zu Theil werde.
„Gewiß," dachte sie, „beabsichtigt die Großmama, eben heute ihren Vorsatz auszuführen, und daß sie es in Gegenwart der Kinder des Onkels thut, soll meinen Triumph noch erhöhen, Margarethen aber vielleicht eine heilsame Lehre sein, sich nicht für so vorzüglich zu halten. Sie konnte den Augenblick kaum erwarten, wo sie die Zimmer der Präsidentin betreten durften und war in dieser Ungeduld herrischer und unfreundlicher zu der Cousine als sonst.
Endlich kam die ersehnte Stunde. Die Präsidentin empfing ihre kleinen Gäste, denen sich die Commerzienräthin natürlich auch angeschlossen hatte, mit großer Freundlichkeit, und Erdmuthe bemerkte sogleich mit Erstaunen, daß Margareth von der Großmama mit ganz ungewöhnlich liebevollen Blicken angesehen wurde. „Desto tiefer wird sie dann ihre Demüthigung fühlen," sagte sie jedoch zu sich selbst, — „denn heute, wo wir ganz unter uns sind, wird Margareths Vergehen gewiß zur Sprache kommen." Es ärgerte sie aber doch, daß Großmama in ihrer Höflichkeit so weit ging, mit der Schuldigen in einer Fensternische ganz allein, und wie es schien, sehr freundlich zu sprechen, daß sie sich von Margareth wieder die Hand küssen ließ, was diese seit dem fatalen Vorfall nicht mehr hatte thun dürfen, und daß sie sich sogar zur rechten Seite der Großmama an den Tisch setzen mußte.
Ani Fenster aber hatte die Präsidentin zu Margareth gesagt: „Bestehst Du noch darauf, daß ich meiner Tochter nichts von Erd- muthens llngerechtigkeit und dem Grunde sagen soll, der Dich in den Garten und auf Deine Knie trieb?"
„Ich bitte Dich herzlich darum und werde erst dann recht vergnügt sein, wenn Du eS mir versprichst," hatte das Mädchen ge- anwortet.

