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„Aber Deine Tante hält Dich für unaufrichtig, vielleicht denkt sie gar noch Schlimmeres von Dir! Thut Dir das nicht leid?"
Margareth seufzte. „Der guten Tante würde es aber gewiß eben so wehe thun, wenn sie Erdmuthens Betragen erführe. Sag's ihr lieber nicht! Wenn sie Schlimmes von mir denken konnte ■— aber dazu ist sie viel zu gut — so wird der liebe Gott meine Unschuld schon an den Tag bringen."
Die Präsidentin hätte das gute Kind gern umarmt, aber sie hielt die Freude über diese Denkungsart noch zurück und sah Margarethen nur mit einem innig zufriedenen Blick an, so daß diese die Hand der alten Dame zu wiederholten Malen an ihre Lippen drückte.
Jetzt wurde die Spiritusflamme unter dem silbernen Theekessel angezündet', und bald hörte man das gemüthliche Singen desielben, während die kleine Gesellschaft es sich um den mit feinem Zuckerwerk und ausgesuchter Backwaare besetzten Tisch bequem machte. Nach der Commerzienräthin wurde Margareth immer zuerst versorgt, und was für Erdmuthe völlig unbegreiflich war, das Mädchen, mit dem man seit einigen Tagen kaum gesprochen hatte, schien plötzlich als die Hauptperson des kleinen Festes betrachtet zu werden. Erdmuthen schmeckten vor Verdruß die süßen Früchte, das feine Gebäck wie Galle. Nur wenn sie auf das Schmuckkästchen sah, das auf einem Taburet neben der Großmama stand, und deffen silberne Verzierungen in der hellen Beleuchtung glänzten, machte der Mißmuth einer stolzen Hoffnung Platz. Margareth aber war seit langer Zeit nicht so froh gewesen, denn es beglückte sie sehr, daß die Präsidentin so freundlich zu ihr war und ihr nun auch das Versprechen gegeben hatte, das kleine Gartengeheimniß nicht verrathen zu wollen. Sie plauderte auf das Zutraulichste
von der lieben Heimath, und ihr kindlich reines Herz gab sich dabei immer von Neuem kund. Selbst die Commerzienräthin vergaß darüber ihren Unwillen gegen das Mädchen und richtete wieder manch'

