Indeß hatte die Mutter dieser Kinder einen schweren Kampf zu bestehen. Der Vormund, ein ehemaliger Kaufmann, saß schon seit einer Stunde bei ihr und redete ihr dringend zu, die letzte Arbeit ihres Mannes, „Christus, der die Kinder segnet," einegj durchreisenden Kunstfreunde zu überlassen, der baare 300 Thaler dafür geboten habe.
„Bedenken Sie doch nur, meine beste Frau Miller, 300 Thaler, und in Gold dazu, das ist doch kein übles Sümmchen. Dafür könnte der Julius drei Jahre zum Hofgärtner in die Lehre kommen, bekäme später einmal eine Stelle in den königlichen Gärten und wäre dann ein gemachter Mann. Jetzt wird er's höchstens znni Canzlisten bringen, denn eine schöne Hand schreibt er, das muß wahr bleiben; aber sein Leben in einer dunkeln Stube zu versitzen, und Aktenstanb zu schlucken, statt Blumenduft, das ist meines Erachtens ein schlechter Tausch. Und dafür wird er Sie einmal verantwortlich machen, der Monsieur Julius; mit dem eigensinnigen Beharren auf den Besitz des Bildes verbauen Sie eigentlich dem armen Schelm seine Zukunft!"
Die Wittwe des Malers warf einen bekümmerten Blick auf das schöne Bild, das von der untergehenden Sonne angestrahlt, an der Wand hing. Sie mußte sich dabei doch wohl Trost geholt haben, denn mit großer Gelassenheit antwortete sie dem wohlmeinenden Dränger. „Ich verkenne Ihre gute Absicht keinesweges, lieber Herr Silberstein, aber der Wille nicincs verstorbenen Mannes steht mir höher, als ein äußerlicher Vortheil. „Denkt bei dem Bilde immer an mich, und getröstet Euch alle Zeit der Hülfe und des Beistandes dessen, der schon die zarten Kindlein zu sich rufet, um sie zu segnen;" so sprach der Sterbende zu mir, und darin liegt mir sein bestimmter Wille, daß dies Bild zu unserem Trost, unsrer Auferbauung, ein bleibendes Eigenthum der kleinen Familie seines Meisters sein solle. Für Julius wird der Vater aller Waisen schon sorgen, und wenn ich gesund bleibe, so soll er wohl mit Gottes Hülfe, seinen Lieblingswunsch
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