zusammengepreßten Lippen stieg er auf einen Stuhl und hob das Bild leise und vorsichtig herab. Dann druckten sie Beide ihren Mund auf die ausgestreckte Hand des Heilandes. Die Kranke stöhnte im Schlaf, als ob sie den Schmerz ihrer Kinder mit empfinde. Lange saß Auguste dann am Bette der Mutter, und so oft ihr Auge auf die leere Stelle der Wand fiel, an der sonst das Bild gehangen hatte, füllte es sich aufs Neue mit Thränen. Sogar die kleine Waldine, die besondere Freude an dem glänzenden Rahmen gehabt hatte, schien es zu vermissen, und sah traurig aus.

Endlich kam Julius zurück; er sprach kein Wort, sondern legte nur eine Rolle mit Geld auf den Tisch und verbarg dann das Ge­sicht in den Händen. Auguste näherte sich ihm leise und flüsterte ihm zu:So traurig dürfen wir nicht sein, Bruder; des Vaters Segen ruht ja nicht auf dem Bilde allein, sondern auf uns, wenn wir nur die lieben Kinder unsres lieben Herrn im Himmel sind!"

O, ich betrübe mich auch nicht darum," antwortete der Knabe, indem er die Schwester in sein, von Thränen überströinteS Gesicht sehen lies.Ich bringe nur so wenig Geld, daß es nicht weit helfen wird. Herr Silberstein ging selbst mit mir zu dem Kunsthändler; aber wie er schon auf dem Wege dahin sagte, die Leute sehen es Einem an der Nase an, wenn man etwas um jeden Preis verkaufen muß, und bieten nur ein Spottg'eld. Und so war es richtig; 25 Tha­ler haben wir zur Noth bekommen; aber eins hatPuir der Kunsthänd­ler wenigstens versprochen, daß ich das Bild für 30 Thaler zurück­bekommen solle, wenn ich eines Tages so viel Geld zusammen brächte, und es bis dahin nicht anderweitig verkauft sei. Doch daö würde gute Wege haben, meinte der Mann; eine Tänzerin, die eben in der Mode sei, oder ein schönes Pferd, darnach wäre eher Nachfrage, als nach einem solchen Gegenstände aus der heiligen Geschichte! Und das ist mein einziger Trost, Gustchen, denn glaube nur nur, ich habe eher