keine rechte Freude mehr auf der Welt, bis das Bild wieder an seinem Platze da hängt. Und dazu wird es doch einmal kommen, so gewiß, wie die schlimme Prophezeihung des Vormundes doch auch in Erfüllung gegangen ist. Ach, die Arniuth ist doch eine harte Prüfung; ich habe mich auf dem Wege zum Kunstladen auf einen recht häßlichen Gedanken ertappt. Mit der kleinen Waldine ist eigentlich erst das Unglück bei uns eingekehrt; denke nur einmal darüber nach. Ihre Krankheit hat unsre arme Mutter so weit zurück gebracht, daß sie nun so elend da liegt und uns am Ende gar stirbt. Wir hätten sie doch wohl lieber im Walde stehen lasten sollen! — So ungefähr waren meine Gedanken!"
„Und sie waren recht häßlich," rief Auguste erschreckt. „So selbstsüchtig darf uns der Kummer nicht machen, und Du hast wohl auch niemals so gedacht, so lange das Bild da an der Wand hing und die hohe Gestalt des göttlichen Erlösers mit Blicken unendlicher Rebe uns zurief: Was ihr einem dieser Geringsten gethan habt, das habt ihr mir gethan! Es fehlt uns doch wohl am rechten Gottvertrauen, Julius! Denken wir nur einmal an den frommen Franke in Halle, der ein Vater von so vielen Tausend Waisenkindern wurde, und doch einmal so wenig Geld hatte, daß ein fromnier Bürger in Magdeburg ihm 20 Thaler zur Reise schenkte, als er sein Amt in Glaucha antreten wollte.
Mit sechs Gulden hat er den Grund gelegt zu seinen großen Stiftungen; denke doch nur, mit so Wenigem hat er so Viel gethan. Aber das kam daher, daß er von sich sagen konnte: ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus! So hat es uns noch vor einigen Tagen unser Religionslehrer erklärt, und er sagte auch: daß alle Dinge möglich sind dem, der da glaubt! Ach, bitten wir doch den lieben Gott, daß er uns solchen Glauben auch schenkt, dann werden wir wieder Freude haben und Friede."

