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„Vater," sagte das blasse Mädchen, welche an Waldinens Hand zu ihm trat, „Vater, weißt Du noch, was Du mir am vorigen Sonntage versprochen hast? Du wolltest mir das Bild schenken, das mir so gut gefällt; ich sollte es verkaufen und mir ein neues Kleid dafür machen lassen."
„Hab' ich's versprochen?" lachte der Halbberauschte. „Ihr redet einem, wer weiß was, vor, wenn sich's um Euren Vortheil handelt. Nun, meinetwegen. Aber hörst Du, das Bild hab' ich Dir versprochen, den Rahmen nicht; dafür mußt Dn mir das Geld bringen. Wart' einmal, ich will mich besinnen, was so ein schöner, breiter Goldrahmen kosten kann. Drei Thaler wenigstens! Ja, mein Janettchen, drei Thaler für den Vater, oder es wird ganz und gar nichts aus der Sache."
„Hast Dn so viel Geld?" fragte Janette ihre Schulfreundin nicht ohne Besorgniß. „Beim Vater muß man den Augenblick benutzen, er besinnt sich anders, wie man eine Hand umdreht."
„Es fehlen sechs Groschen an drei Thalern!" antwortete Waldinc bestürzt, „aber ich will sie morgen, spätestens Sonntag bringen. Und Dir vergeß ich's all mein Lebtag nicht, daß Du so viel für mich thust. Und Du sollst auch wirklich ein Kleid bekommen, wie es keine Prinzessin schöner haben kann; nur mußt Du noch warten, bis der Julius ordentlich ein Amt hat, oder ich mich besser aufs Geldvcrdicnen verstehe."
Janette nickte nur still mit dem Kopfe; ihre traurige Miene erheiterte sich auch nicht bei der für ein Mädchen ihres Alters so verlockenden Aussicht, ein Kleid zu tragen, wie eine Prinzessin. Ach, ein Kind, das seinen Vater oft im Zustande der Trunkenheit sieht, dem ist die Blüthe reiner Jugcndfrende vergiftet. Das kommt in traurigen Zwiespalt mit seinem Herzen und mit den Geboten Gottes, deren vornehmstes uns befiehlt: Vater und Mutter zu ehren, sie zu lieben

