S2
»»gelehrten Leute zu etwas bringe, das verschaffe seiner Schule Ehre und guten Leumund."
So saß denn Margarcth auf der zweiten Bank und mußte doch oft die Fragen für die ganze Klasse lösen; sie sollte auch nicht in der ersten Reihe sein, wenn die jungen Christen zum Tische des Herrn treten würden, und fand sich eben so willig und demüthigen Herzens hinein, ohne einmal des tröstlichen Spruches zu gedenken: Die Ersten sollen die Letzten, und die Letzten die Ersten sein!
„Hannlore," sagte jetzt des Gemeinde-Boten Annliese zu ihrer Nachbarin, „weißt Du schon, daß ich nach Birkenau zum Schulzen ziehe, gleich Montag nach Ostern? Ich soll im Somnier die Ziegen hüten und zur Winterszeit mit dem kleinen Molchen spielen, die ein Bischen schwach im Kopfe ist. Sechs Thaler Lohn und 4 Ellen Leinwand haben sie mir versprochen, ist das nicht ein guter Anfang?"
„Es mag wohl," meinte Hannlore, ohne besondere Theilnahme für das Schicksal Annliesens zu zeigen. „Eineni Jeden das Seine! Ich gehe zu des Vaters Schwester in die Stadt und lerne Putz!"
„Ja, wer solch' reiche Verwandte hätte, als Du," meinte eine Dritte, die sich unaufgefordert in das Gespräch mischte. „Unsereins bleibt nach wie vor zu Hans, muß die kleinen Geschwister wiegen oder herumtragen, und sich von den großen befehlen lassen. Ich wollte lieber, daß ich noch ein Jahr in der Schule hätte bleiben können; wenigstens wird man da nicht von Jedem geschoren."
„Geh', das ist nicht Dein Ernst," sagte die Erste wieder. „Ich hab' das langweilige Lesen und Schreiben so satt, ich kann nicht sagen wie. Und die Vaterlandsgeschichte, das Rechnen erst gar! Ich möchte am liebsten in die Baumwollenfabrik drüben in Lasen, da ist ein lustig Leben. Sam stags Abend, wenn die Säle aufgeräumt werden, tanzen die Arbeiter nach der Violine, die der blinde Melchior spielt. Und obenein verdient man dort ein hübsches Geld!"

