den Tag herbeigewünscht, an dem sie diesen Ort ihrer ersten Geistesarbeit würden verlassen dürfen; wie sehnlich die goldene Freiheit erwartet, die ihnen nach Ablauf der Schulzeit zu Theil werden würde, und jetzt kam ihnen die wcißgetünchte Stube, die frisch geschauert und mit feinem Sande bestreut war, so lieb, so still und friedlich vor, daß es ihnen fast leid wurde, die Schwelle derselben nicht mehr betreten zu sollen.
Selbst die leichtsinnige Jacobe, des Dorfschnciders Aelteste, brach im Vorbeigehen einen Stengel von dem großen Strauche Katzenkraut, der seit undenklichen Zeiten an einem Fenster der Schulstube stand, und legte es zu Hauö ganz nachdenklich in ihr Gesangbuch, zum Ge- denkzcichc» an die Schule, die ihr doch sonst so wenig Freude gemacht hatte, und deren Zierde sie eben auch nicht gewesen war. Denn so ist es in der Regel: nur die trägen und unfähigen Schüler verlassen leichten Sinnes und mit Freuden die Stätte, wo eine treue Lehrerhand die Wucherblumen ihrer Fehler und Unarten auszurotten, und das wüste Land ihres Verstandes mit Heilkräuter» anzubauen bemüht gewesen. Sie nennen es Haß und Härte, was doch Liebe war, die milde Strenge des Lehrers, den Ernst der Strafe, ach, und spät, viel zu spät erst sehen sie es ein, wie treu sein Herz für die ihm anvertrauten Kinder geschlagen, und wie schwer sie ihm seine schöne, aber so verantwortungsvolle Pflicht gemacht. Darum sagt auch ein Schriftwort: Gehorchet euren Lehrern und folget ihnen; denn sie wachen über eure Seelen, als die da Rechenschaft dafür geben sollen; auf daß sie das mit Freuden thun, und nicht mit Seufzen; denn das ist euch nicht gut.
Jni Dorfe war noch bis spät in die Nacht hinein ein ungewöhnliches Treiben zu merken; der Wächter hatte längst die zehnte Stunde ausgerufen, und noch immer schlugen die Hunde an, weil bald ein Wagen, bald ein fremder Mensch in ein Bauerngehöft kam. Selbst
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