stand sie auf und sah aufmerksam nach der kleinen Nachtuhr, die unter Medizingläsern und kühlenden Tränken auf einem runden Tischchen stand, wobei sie zu ihrer Beruhigung bemerkte, daß die Stunde noch nicht um sei, wo sie der Kranken, deren Pflege sie übernommen hatte, die Tropfen geben mußte. Leise zog sie dann die Moustelinvorhäuge auseinander und fragte mit sanfter Stimme, ob sie irgend welchen Dienst leisten könne.
„Mein Gott!" sagte die Kranke, eine ziemlich betagte Dame, indem sie sich langsam in den Kissen aufrichtete: „Bist Du schon wieder hier, Margaret!-. Das ist nun schon die vierte Nacht, die Du an meinem Bette zubringst; Du solltest doch wenigstens regelmäßig mit meiner Betty abwechseln! Zwar ist mir Deine Nähe lieb, fast lieber als die meiner Kammerfrau, die mich mit ihrer allzugroßen Sorgfalt quält; aber wenn Du Dich durch Ueberanstrenzung selbst krank machst, so werde ich Dich ganz entbehren müssen."
„Machen Durchlaucht sich darum keine Sorge," antwortete Margarethe bescheiden, „ich bin stark und" — sie wollte hinzusetzen: gesund, — aber ein Blick auf die alte Dame, deren rechter Arm mit dicken wollenen Binden umhüllt war und ihr große Schmerzen zu verursachen schien, erinnerte sie daran, daß es wenig zart sein würde, einen solchen Ausdruck zu wählen, und sich eines so köstlichen Vorzuges zu rühmen, Angesichts einer Kranken.
„Ich bin stark und an's Nachtwachen gewöhnt," verbesserte sie sich daher schnell, „ich pflegte ja zwei Jahre lang ein armes Kind, das fast niemals in der Nacht schlafen konnte."
„Da hat der Tod Dich von einem schweren Posten erlöst, arme Kleine," antwortete die Kranke, Claras Großmama, die Fürstin Eberhard. „Nun, bei unserer Nichte hast Du es bester, denk' ich, und kannst jene böse Zeit vergessen."
„Durchlaucht, ich liebte den armen, kleinen Engel," sagte das

