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sonderlich durch ihr Beispiel. Kinder müßten ihre Lehrer und Erzieherinnen stets freundlich und liebevoll gegen olle Hausgenossen, ja selbst gegen das Gesinde sehen, sie müßten eS selbst beobachten können, ' wie mitleidig und hülfreich sich jene gegen Nothleidende zeigten, wie
zu Rath, Trost und Mitgefühl bereit, wo ihre bessere Erkenntniß und Einsicht beansprucht würde. Neulich wollte Mademoiselle Vaillent in Claras Gegenwart der armen Schneiderin einen halben Thaler an der Rechnung abziehen, weil sie bei der Lampe genäht hatte und dabei ein kaum sichtbarer Oelfleck in den schillernden Seidenstoff gekommen war. „Ach, Fräulein," bat das erschrockene Mädchen, „thun Sie das doch nicht! Ich habe eine alte Mutter, die ich von meiner Hände Arbeit ernähre; sie würde eine ganze Woche lang ihr Fleischsüppchen entbehren müssen, wenn Sie mich für den kleinen Fehler so ^ hart bestrafen wollten. Ich bitte Sie, ihn mir zu vergeben; wenn
man bis an den hellen Morgen arbeitet, werden die Augen zuletzt doch gar zu müde; da ist denn der Schaden geschehen, ehe ich's selbst gemerkt habe, aber es soll gewiß nicht wieder vorkommen!"
„Mademoiselle Vaillent spricht nur sehr wenig Deutsch, aber so viel brachte sie in ihrem Zorn doch heraus, daß es ihr scheine, als hätten alle Arbeiterinnen eine alte Mutter, oder einen kranken Vater, mit denen sie ihre schlechte Arbeit und ihre unverschämten Rechnungen entschuldigten! Was hieß das anders, als die arme Nätherin der Lüge zeihen! Sie weinte vor Betrübniß und Scham, und es war ein Glück, daß ich zufällig die Unterredung mit angehört hatte und die 4 Ungerechtigkeit ausgleichen konnte. Indeß spricht Mademoiselle ein
so ausgezeichnetes Französisch, daß man ihr dafür manches zu Gute halten muß, und einer Gouvernante von der kopfhängerischen Sorte möchte ich meine kleine Nichte doch noch weniger übergeben. Darum ist es mir lieb, daß Du so viel Einfluß auf Clara gewonnen hast; bei Dir ist das Christenthum nicht bloß eine taube Blüthe des Ge-
Saat und Ernte. 7

