Mutter. Ich bin seit zwei Jahren völlig verwaist."
Bei diesen Worten legte sie die kleine Geldrolle auf den Tisch, und machte der Kranken den bittern Holztrank zurecht, den sie nni diese Zeit einnehmen mußte. Als sie bald darauf das Zimmer verließ, weil Clara nun aufstehen und sie dieselbe ankleiden mußte, ließ sie das reiche Geschenk der Fürstin, ohne den leisesten Kampf mit sich selbst zurück, und ging mit dem freudigen Muthe an die Pflichten des Tages, den man sich nur dann ungetrübt erhalten kann, wenn man sich stets im Dienste des Herrn aller Herren weiß. Margareth betrachtete ihre Thätigkeit aus diesem Gesichtspunkte und strebte mit Ernst und Liebe darnach, dereinst aus seinem Munde die lohnenden Worte zu hören: Sie hat gethan, was sie konnte!
Als eine Stunde später der Leibarzt der Fürstin ankam, der eine große Reise gemacht hatte, und nun durch telegraphische Depesche an das Krankenbett der Durchlauchtigen Frau berufen worden war, betrachtete er den weichen, sorgfältig bereiteten Verband um den leidenden Arm und sagte beifällig nickend: „Ach, Durchlaucht haben
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fühls, die keine Frucht bringt, von Dir wird sie niemals heucheln lernen! Ich weiß wohl, für das, was ich da von Dir fordere, wirst Du eigentlich nicht bezahlt, aber Du sollst mich dankbar finden, und gleich jetzt will ich Dir eine kleine Aufmunterung zukommen lassen!"
Die Fürstin griff in ein Kästchen, das in der Mauernische stand und drückte Margarethen ein kleines, aber gewichtiges Röllchen in die Hand. Diese zögerte bestürzt, es anzunehmen.
„Durchlaucht," sagte sie endlich mit bittenden: Ton, „lassen Sie mich meine Pflicht thun, ohne einen Nebengedanken auf Belohnung. Ich habe in diesem Hause, was ich brauche, und" — setzte sie mit einem schmerzlichen Lächeln hinzu — „mir mangelt der Verwand, womit die armen Arbeiterinnen ihren Eigennutz einkleiden sollen, wie man ihnen zur Last legt, ich habe weder einen alten Vater, noch eine kranke

