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Kastellan blieb da, der ließ Niemand hinein. Dich aber seh' ich ja heute zum erstenmale und weiß nicht, ob Du mir's erlaubst, daß ich einnial in's Schloß kommen darf."
„Mich nennt man nicht „Du!" sagte Hortense stolz.
„Nicht?" fragte Leonore unbefangen. „Du bist ja noch keinen halben Kopf größer als ich, und Kinder werden doch nicht wie große Leute angeredet."
„Es ist auch nicht um die Größe," antwortete das Schloßfräulein mit herrischem Ton, „sondern, weil ich nicht Deinesgleichen bin. Zu den Kindern des Königs dürftest Du doch auch nicht „Du" sagen, und wenn sie auch noch die kleinsten Wiegenpüppchen wären. Unterschied muß sein, sagt mein Papa; also wenn Du mit mir redest, so sagst Du: Sie!"
„Ich will mir's merken," sagte Leonore und lachte schelmisch. „Hortense, kommen Sie schnell!" rief jetzt von der Schloßbrücke her eine Stimme. „Sie haben vorhin durch Ihr unbändiges Schreien die Mama aufgeweckt; jetzt schickt sie und läßt nach Ihnen fragen. Ich sagte Ihnen das im Voraus."
„Die Mama sollte auch aufwachen, grade deshalb schrie ich," antwortete Hortense trotzig. „Ich lasse mich nun einmal nicht am hellen Tage in's Bett schicken wie ein Wickelkind. Und wenn Papa nur nicht sein Spielkränzchen hätte, so sollten Sie wohl eine schöne Strafpredigt von ihm bekommen haben, daß Sie mich so heftig machten, denn der Doctor hat es verboten, daß ich mich aufrege."
° ' „Und was hat der Doctor wegen Mama gesagt?" drohete die Gouvernante. „Sie sollen die Kranke nicht erschrecken und ängstigen, sonst kann sie nimmermehr gesund werden. Und wie unartig waren Sie eben wieder, weil Sie zu so später Abendstunde noch auf der Brücke spazieren gehen wollten. Wer ist das Kind, mit dem Sie da

