Kuß znm Abschied und wurde auf's Schloß geschickt. Sie ging ganz getrost, denn was die Mutter ihr anrieth, that sie immer willig und gern. Im Grunde freute sie sich auch darauf, einmal in ein Schloß zu kommen. Wie stattlich lag das große Gebäude im Mondlicht vor ihr, wie blank glänzte der Griff an der großen Thür von Eichenholz mit künstlichem Schnitzwerk, und wie prächtig war der Hausflur ge­malt. Große farbige Basen voll Blumen und Schilf standen an den Wänden, und über die breite Treppe hinauf, die zu den Wohngemächern der Baronin führte lag eine weiche Decke, die mit messingnen Stäben an die weißen Sandstcinstnfen befestigt war. Etwas Schöneres meinte Leonore noch nie gesehen zu haben, und doch begegnete ihr bei jedem Schritt weiter immer Neues, was ihre Bewunderung erregte. Von der Decke der Zimmer, herab, durch die sie geführt wurde, ehe sie in daö Schlafgemach der Baronin gelangte, wo Hortenfe sich befand, hingen Blunicngewinde von Gold, wie es dem Mädchen erschien, mit kleinen Eiszapfen dazwischen, die bald roth, bald grün, gelb und blau schimmerten. Der Fußboden glänzte von Lack und die Wände von Spiegelglas; hier klangen die silbernen Glöckchen einer Spieluhr, dort schnarrte ein grüngefiederter Papagei, über den Leonore gern recht herzlich gelacht hätte, wenn der Bediente, der sie führte, nicht in dem­selben Augenblicke einen sammtnen Vorhang zur Seite geschoben hätte, so daß unsre Kleine plötzlich die Baronin auf einem Sopha vor sich liegen, und Hortense auf dem Tische davor, mit kleinen Marmorkugeln

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spielen sah, die gelegentlich auf die Erde fielen und ein Geräusch ver­ursachten, das der Kranken gewiß sehr unbequem sein mußte.

Ein später, aber kein unwillkommener Gast," sagte die Baronin Blocha, indem sie sich, auf ihren Arm gestützt, ein wenig aufzurichten versuchte, um ihre großen Augen prüfend auf die auserwählte Gesell­schafterin ihrer Tochter zu werfen. Leonore schlug die ihrigen nicht

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