rege ist das Schönste, was ich mir denken kann, und ich habe mich schon unbeschreiblich darauf gefreut, aber der armen Frau Günthers- berg gab' ich einen Theil meines Sparschatzes recht herzlich gern. Wenn ich nur wüßte wie ich das anstellen sollte?
Ja, so kann es gehen! Sie hat gewiß eine lange Rechnung in der Apotheke zu bezahlen, und die wird immer zu Neujahr gebracht. Wer weiß, ob sie so viel Geld haben wird, um sie bezahlen zu könne», und schuldig bleiben — ach, das muß für eine Frau doch etwas gar zu Schweres sein! Ich dächte, man müßte nicht schlafen können vor Unruhe, wenn man Schulden hat. Es steht ja sogar in der Bibel: Seid Niemand nichts schuldig!
Ich denke es mir überhaupt schrecklich, arm zu sein! Mutter sagt: Davor sei Niemand sicher, aber ich hoffe doch, daß es mit uns nicht dahin komme» wird. Papa ist ja ein so beliebter Arzt, der wird immer so viel verdienen, daß wir unser hübsches Haus mit Garten, und Pferd und Wagen behalten können. Aber freilich, wenn erstürbe, wie der arme Günthersberg, der noch viel jünger war als Papa! Ach, lieber Gott/das lasse doch ja nicht zu, ich bitte Dich recht demüthig darum! Ich muß nur geschwind an etwas Anderes denken, sonst werde ich ganz traurig. Meine Freundin Emilie halte vorgestern Geburtstag, ach, und welch' einen reichen Putztisch hatten die Eltern ihr dazu aufgebaut! Ein Linonkleid lag darauf, und ein gestickter Uuterrock, Aermel, Kragen; ach! und ein reizender Hut mit wunderschönen Rosenknöspchen an den Backen herunter, und weißes Band mit einem feinen grünen Käntchen. Das sah allerliebst aus! Auch an süßen Näschereien fehlte es nicht, und ist doch vor kauni acht Tagen erst Weihnacht gewesen. Ich glaube, der Neid regte sich ein wenig in meinem Herzen, da ich so viel Pracht sah. Das ist nicht recht, ich weiß das; aber wie kommt es nur, daß man Manches thut und denkt, dessen man sich doch dann recht von Herzen schämt!
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