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Doctor Florentin, der im Institut den Unterricht in der deutschen Sprache ertheilt, hat der ersten Classe neulich den Aufsatz als Ferien- aufgäbe gestellt: Gute und schlimme Gedanken liegen in unsrem Her- jen ganz nahe bei einander! Ich kann nun gleich aus Erfahrung darüber schreiben, denn, daß ich der armen, jungen Lehrersfrau gern helfen möchte, das ist doch wohl ein guter Gedanke, und daß ich Enii- lien beneidete, ein recht häßlicher. Es kommt aber noch einer oon der schlechten Sorte hinterdrein, ich will's nur lieber gleich offenherzig eiugestehen. Emilie hatte nämlich zwei Paar ganz gleiche Armbänder von Roßhaar und Stahlperlen bekommen, von ihrer Mutter und einem entfernt wohnenden Pathen. Nun erwartete ich eigentlich, daß sie mir ein Paar davon schenken würde, denn ich bin doch ihre beste Freundin, und überdem hat Papa sie kürzlich in einer sehr schweren Krankheit wieder gesund gemacht. Es trägt doch Niemand zwei Paar ganz gleiche Armbänder; aber Emilie dachte gar nicht daran, und ich hatte Mühe, meine Empfindlichkeit darüber zu verbergen. Es war nur ein Glück, daß noch ein ganzer Schwärm Mädchen aus unserm Institut da war, und gleich Sprichwörter gespielt und lebende Bilder aufgestellt wurden, als die Chokolade nur getrunken war. In der allgemeinen Heiterkeit vergaß ich zuletzt auch meine Mißstimmung, obgleich ich nicht so herzlich als sonst zu Emilien sei» konnte. Gewiß, daö war kleinlich von mir; wenn Papa sie gesund gemacht hat, so thut er das ja auch an den wildfremdesten Menschen. „Dafür werde ich bezahlt," sagte er, „und wenn das auch nicht der Fall wäre, so muß nian für feixte Pflicht keinen Dank fordern. Ein Arzt, der darauf rechnete, könnte seinen Beruf nur noch mit Widerwillen erfüllen, denn die Leute, die er mit Gottes Hülfe gesund gemacht, und die ihm, als sie krank waren, wie einen Retter in der Noth entgegen geseufzt haben, gehen ihm später am liebsten aus dem Wege, um nur nicht an die unbequeme Schuld der Dankbarkeit erinnert zu werden. Aber in

