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den Tanz, die Musik und das Reiten so sehr liebte, keineswegs unempfänglich für die Genüsse und Zerstreuungen der Welt war. Ich erinnere mich, wie Mathilde bei dieser Gelegenheit sagte: „Wir dürfen den wahren Werth menschlicher Kunst, wie nienschliche» Ruhmes nicht überschätzen. Es kommt endlich ein Tag, an dem das glänzendste Genie, die herrlichsten Talente vergehen, und wo es sich nur darum handelt, daß wir im Gebrauch der „zehn Pfunde," von denen die Bibel sagt, treu gewesen sind. Der wahre und bleibende Werth geistiger Gaben besteht darin, daß sie zur Ehre Gottes gebraucht werden sollen. Du wirst nun auch bald in den Zauberkreis des Vergnügens, in die glänzende Welt eintreten; da wird sich so Vieles verbinden, um Deine Sinne zu bestechen und Deinen leichtangeregten Geist zu fesseln. Aber ich hoffe auch, daß Du trotz dieser Einflüsse immer auf die Stimnie eines innern Führers hören wirst, der Dich zur Sammlung und Selbstprüfung mahnt."
Tante Minna hatte mich am Abende nach dem Theater mit meiner Begeisterung für die Künstlerlausbahn sehr viel geneckt, am andern Tage sagte sie: „Wir müssen dem ruhmdurstigen Kinde doch auch noch andere Wege zeige», wie man sich Ehre erwerben kann, Ruhm und Ehre bei Gott!" und führte mich in eine der weniger belebten, minder eleganten Straßen Berlins. Dort gingen wir in das Hochparterre eines bescheidenen Hauses und betraten ein großes Zimmer, in dem wir acht oder zehn Kinder im Alter von zwei bis neun Jahren trafen, alle ganz gleich und ganz einfach gekleidet, aber alle uns vertraulich entgegen kommend, um uns die Hand zu küssen, obgleich wenigstens ich ihnen gänzlich fremd war. „Ich will sogleich Mama rufen," sagte ein freundlicher Knabe, „sie macht der kleinen Nannt; eben einen Umschlag von Maiblumenessig, der Kopf thut ihr so weh!" Und damit sprang er fort. Ich aber sah mich verwundert in der Stube um, die höchst sauber und wohlgeordnet war, und nicht im Entferntesten daran erinnerte, daß sie der

