Oktober.
Helene Wesscl hat in diesen Tagen an Mathilden geschrieben; sie hofft bei einer hochgestellten Dame Vorleserin zu werden und träumt sich eine goldene Zukunft. Mathilde ist mit dieser Idee gar nicht einverstanden, denn alsdann nniß Helene ihren alte» Vater verlassen, dem die Pflege und Sorgfalt einer Tochter doch durch keine fremde Hand ersetzt werden kann. Sie hat auch in das kostbare Album, was Helene ihr zugeschickt hat, damit sie ihr etwas hineinschreibe, folgende Zeilen gedichtet:
„Kennst Du der Iris farbenreichen Bogen,
Der gold'ne Brücke» in den Himmel baut?
Auf dunklem Grund hellschimmernd hingezogen,
Und süß berückend den, der ihm vertraut.
Sein strahlend Glauzbild ist ja nur ein Schein,
Es schwindet bald und Thränen bleiben Dein!
So ist es mit der Hoffnung Trarmigesichten,
Die an der Jugend Morgenhimmcl gliih'n;
Es sind die immer wiederkehrenden Geschichten Von frügen Inseln, die den Pilger fliehen,
Wenn er schon glaubt mit Händen sie zu fassen,
Die schattenglcich verschwinden und erblassen.
So viel des Truges und der Täuschung immer Das Menschenherz mit gold'nem Schein berückt,
Doch giebt es Glück so viel, nur ohne Schimmer,
Das still und dauernd wahrhaft uns entzückt.
Auf lautem Markt des Lebens such' es nicht:
Das wahre Glück blüht aus erfüllter Pflicht!
Auckj-ich sollte Helene» ein Wort der Erinnerung schreiben, und bat Mathilden, mir einen Vers dazu aussuchen zu helfen; aber sie
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