„Du gehst — Du verlässest uns?" — rief ich, mühsam meine Thräne» bekänipfend, als der General das Zinnner verlassen hatte, denn ich war ein leidender Zeuge dieser Unterredung gewesen. „Wie werde ich denn leben können, ohne Deine niilde Theilnahme an alle dem, was ich will und erstrebe?" Mathilde lächelte unendlich wehmüthig, aber sie klärte mich nicht darüber auf, ob sie gehen oder bleiben würde. „Man muß so etwas erst mit Gott berathen," meinte Mama, zn der ich in meiner Trostbedürftigkeit kam. Ach, diese acht Tage waren unendlich lang, unendlich lang für mich; aber endlich wurde mein Hoffen gekrönt. „Ich habe eine mir von Gott übertragene Pflicht zn erfüllen," sagte sie, „und würde vielleicht einer neu über. nommenen eben deshalb nicht immer genügen können. Was man einmal übernimmt, muß man auch voll und ganz erfüllen, und es wäre ein schlechter Dank für die freundliche Gesinnung des Generals, wenn ich bei seinem Vorschlage nur meine Annehmlichkeit in, Auge hätte!" Das war eine Freude für mich, wie ich lange keine ähnliche erlebt habe. Jetzt ist Herr von Firmann abgereist; er hat uns Allen kostbare Andenken an Luisen zurückgelassen; mir einen Schniuck von Türkisen, Breche, Armband und Ohrringe, die Luise noch nicht ein einziges Mal getragen hat. „Denke dabei daran, was eines Märchens schönster Schmuck ist!" sagte Mama, als ich ihr das mit weißem Sammet aus- geschlagene Kästchen in stürmischer Freude brachte, denn ich habe den Affekt-Menschen immer noch nicht recht überwunden. „Ach, und alles Uebermaaß wird durch das Leben gestraft und beschränkt" — sagte Mathilde.
Für sie hat der General eine Prachtbibel von Berlin aus geschickt, die sie an Luisen erinnern soll, weil sie dieser in der letzten Zeit oft aus dem Worte Gottes vorgelesen. Es sind prachtvolle Stahlstiche darin, der Einband ist reick^vergcldct. Mir machte es aber noch einen ganz besonderen Eindruck, als ich las, was Herr von Firrmann mit
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